Baustelle Campus – Interview mit Andreas Döring

Andreas Döring, Dezernent für Liegenschaftsverwaltung und Technik | Foto: zobo – design & photoart

Andreas Döring, Dezernent für Liegenschaftsverwaltung
und Technik | Foto: zobo – design & photoart

Andreas Döring ist Dezernent für Liegenschaftsverwaltung und Technik und mit seinem Team zuständig für die Bewirtschaftung aller Gebäude und Grundstücksflächen der Hochschule  Merseburg mit allem, was dazugehört, einschließlich der Baumaßnahmen. Insgesamt arbeiten 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Dezernat Liegenschaftsverwaltung.

››Im Jahr 2015 gab es  etliche Baustellen auf dem Campus. Was wurde denn da alles gemacht?
‹‹Ganz wichtig waren die Arbeiten zur Teiltrockenlegung am Hauptgebäude, Gebäudeteil C (Hg / C) sowie am Liegenschaftsgebäude  (Li). Die Bausubstanz ist immerhin schon über 60 Jahre alt.  Bei der Sanierungdes Hauptgebäudes im Jahr 2008 wurde auf die Trockenlegung aus Kostengründen zunächst verzichtet, weil die Räume des Tiefkellers für die Nutzung des Gebäudes kaum Bedeutung hatten. Aber auch Technikräume müssen relativ trocken sein, um die Funktion der Technik möglichst lange zu erhalten. Außerdem kann Feuchtigkeit in Gebäudeteilen in die darüber  liegenden Bereiche aufsteigen und auch hier für Schäden an der Bausubstanz ursächlich sein. Dann haben wir den Weg zum Seminargebäude (Se), wo die CampusKids zu Hause sind, erneuert. Er  atte etliche Unebenheiten, sodass er nicht barrierefrei war. Das wurde jetzt behoben, sodass auch der Zugang vom Wohnheim 8 barrierefrei ist. Das Gebäude Se hat außerdem an den jeweiligen Giebeln eine neue Wärmedämmung erhalten, sodass wir zum einen Heizkosten sparen, zum anderen die Wände nicht mehr auskühlen und sich daher weniger Feuchtigkeit an den raumseitigen  Wandflächen niederschlägt. Auf Grund von Nutzeranfragen und Hinweisen des Studentenwerks wurde die Cafeteria im Hauptgebäude mit Infrarot-Heizstrahlern ausgestattet. In Fluren und  Treppenaufgängen sind regulär nur 15 °C vorgesehen, was auch sinnvoll ist, denn dort befindet man sich nur kurzzeitig, bewegt sich meist und hat oft noch die Jacke an. Für ein gemütliches  Käffchen  ist das natürlich zu frisch. Alle Flure auf „Wohlfühltemperatur“ zu heizen wäre aber vor allem zu teuer. So haben wir uns für die Lösung mit den Heizstrahlern entschieden. An den Kosten beteiligte sich das Studentenwerk zur Hälfte. Im Sportzentrum (Gebäude Sp) wurde ein Kraftraum vollumfänglich saniert. Weiterhin wurden die Fenster im Gebäude erneuert und  Deckenleuchten durch moderne LED-Beleuchtung ersetzt. Das war ebenso eine Maßnahme zur Energieeinsparung wie auch zur Verbesserung der Nutzungsbedingungen. Im Forschungsgebäude  (Fo) konnten mit Baumitteln und anteiligen Fachbereichsmitteln Labor- und Praktikumsräume für den Fachbereich INW hergerichtet werden, die somit künftig auch hier über moderne  Laborabzüge und Lüftungstechnik verfügen.

››Im Sommer wurden neue Straßenlaternen vor dem Hauptgebäude aufgestellt. War es dort zu dunkel?
‹‹Ja, der Bereich vor dem Hauptgebäude war nicht ausreichend beleuchtet. Neben der Unfallgefahr war auch unsere „Hauptfassade“ nicht oder nur spärlich erkennbar. Die sechs Mastleuchten,  die dort aufgestellt wurden, sind allerdings nicht neu. Sie wurden von Flächen entfernt, die durch die Hochschule nicht mehr genutzt werden – sozusagen recycelt.

››Die aufwendigste Maßnahme scheint die Mensatür zu sein. Nun stehen da zwei Glaswände und die Arbeiten sind immer noch nicht beendet. Was ist geplant?
‹‹Wir bauen eine neue automatische Tür ein. Sie ermöglicht den barrierefreien Gang in den Außenbereich und wieder zurück – das ist derzeit mit dem Rollstuhl oder auch mit Gehhilfen nur  schwer möglich. Wenn man dazu noch ein Tablett balancieren soll, ist es fast unmöglich. Deswegen sollte bereits im November die neue Tür dort selbsttätig öffnen. Das ist auch für Nutzer ohne körperliche Einschränkung von Vorteil. Bedauerlicher Weise wurde von der ausführenden Firma ein falsches Bauteil bestellt, sodass es zu dieser Verzögerung kam. Die Glaswände innen grenzen  den Öffnungsbereich der Automatiktür sichtbar ab. Außerdem schützen sie die Mensagäste vor Zugluft. Zu Beginn der Terrassensaison wird die Verbesserung der Situation auf jeden Fall gegeben sein.

››Sind für 2016 weitere Bauarbeiten geplant?

Entwurf für den Lesegarten | Quelle: Därr Landschaftsarchitekten

Entwurf für den Lesegarten | Quelle: Därr Landschaftsarchitekten

‹‹Auf einem so großen Gelände gibt es immer wieder Bauarbeiten, einerseits zum Erhalt der Bausubstanz und der Technik, andererseits zur Verbesserung der Nutzungsbedingungen bzw. zur  msetzung von Einsparmöglichkeiten bei der Bewirtschaftung, selbstverständlich auch 2016. Zum einen wird der erste Bauabschnitt des Lesegartens abgeschlossen, der im Monat September 2015  begonnen hat. Die Idee zum Lesegarten gibt es schon seit 2006. Die Baumaßnahme wurde jedoch aus Kostengründen zurückgestellt, weil die Sanierung des Hauptgebäudes Vorrang hatte. Nun können wir mit Baumitteln des Landes und Geld aus dem Hochschulpakt die Idee verwirklichen: eine Bühne, geschwungene Wege, Bänke, Verweilzonen und Gehölzpflanzungen für die Gäste. In den Lesegarten sollen historische Elemente aus der Campusgeschichte integriert werden wie z. B. der schon vorhandene Polymerisationskessel, ein Orientierungsglobus oder ein eingelagertes Wandbild aus Keramik-Mosaik. Wenn die Hochschulleitung wieder HSP-Mittel zur Verfügung stellt, könnte der zweite Bauabschnitt begonnen werden. Dann wird es umfangreiche  Umbaumaßnahmen im Rechenzentrum geben. Bezogen auf den heutigen Stand der Technik kann der Serverraum wesentlich verkleinert werden und die notwendige Klimatisierung wird um einiges sparsamer. Die Mitarbeiter des Rechenzentrums werden künftig nur noch einen Gebäudeteil des derzeitigen Gesamtkomplexes nutzen, sodass der Hochschule frei werdende Flächen für
andere Aktivitäten zur Verfügung stehen. Weitere Kommunikations- und Veranstaltungsräume sollen durch den Umbau des Gebäudes 168 / 169 (ehemalige Sauna) entstehen. Diese Räume  können dann unter anderem genutzt werden von Studentenclubs, die aus abzugebendem Bestand ausgelagert werden müssen. Für diese Umbaumaßnahme wurde ein Bauantrag an das
Bauordnungsamt des Saalekreises gestellt.

››Im Gebäude 104 am Platz der Bausoldaten, dem ehemaligen Internats- und Bürogebäude der Hochschule, sollen in diesem Jahr 250 bis 300 Flüchtlinge  untergebracht werden. Sind dort ebenfalls Bauarbeiten geplant?
‹‹Im Moment steht noch nicht fest, ob und wenn ja, ab wann das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden soll. Auf jeden Fall wären vorher umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen geplant. Es muss eine bauliche Abgrenzung zum Bürogebäude der Hochschule erfolgen und außerdem die Versorgung mit Wasser, Wärme und Strom wiederhergestellt werden. Für die nötigen Arbeiten wäre jedoch das Bau- und Liegenschaftsmanagement des Landes Sachsen-Anhalt (BLSA) zuständig; die Hochschule hat den Gebäudeteil bereits im September 2015 im Rahmen der planmäßigen Campusentwicklung (Masterplan) an das Land abgegeben.

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