Vera Schemmann

Fast schon unauffällig liegt das alte Gebäude am Rande der Innenstadt, etwas versteckt am Ende einer Gasse. Keine Hinweisschilder zeigen den Weg, nichts weist auf den historischen Ort hin. Dabei ist das Petrikloster ein bedeutendes Zeugnis der Merseburger Stadtgeschichte. Das Kloster lag lange in einer Art Dornröschenschlaf und wurde weder von der Stadt, noch von den Bürgern besonders beachtet. Dadurch ist das Gemäuer, im Gegensatz zum Dom- und Schlossensemble, das als Touristenmagnet stets gut in Stand gehalten wurde, in einem bedauerlich schlechten Zustand.

Die Geschichte von Merseburgs ältestem Gemäuer beginnt schon im Jahr 939. Damals gab es hier ein Chorherrenstift. 1091 gründete Bischoff Werner von Wolfenburg dann ein Kloster und siedelte 30 Mönche an. Das Kloster war damals sehr bedeutsam: es gab 200 Bedienstete, 13 Dörfer wurden verwaltet und sogar eine eigene Vogtei zur Rechtsprechung auf dem Gelände errichtet. Merseburg war damals die Lieblingspfalz der Wanderkönige und gleichzeitig das östlichste Bistum, ganz an der Grenze im römischen Reich. Früher glorreich und bedeutend geriet das Kloster in den letzten Jahrzehnten immer mehr in den Hintergrund. Die Stadt rührte sich nicht um etwas für den Erhalt des geschichtlich so bedeutenden Gebäudes zu tun. Das Kloster verfiel immer weiter, ein „Achtung Baustelle – Betreten verboten“ Schild wurde angebracht, sonst tat sich nicht viel.

Doch in den letzten Jahren regte es sich in dem alten Benediktinerkloster. Seit 2012 gibt es den Verein „Förderkreis Klosterbauhütte Merseburg e.V.“, ein Zusammenschluss aus engagierten Merseburgerinnen und Merseburgern, die sich für den Erhalt des alten Petriklosters einsetzen. Als der Verein das Kloster übernahm gab es weder Strom noch Wasser oder Abwasser, es waren keine Fußböden vorhanden; die Räume waren teilweise zugemüllt, der Klostergarten rettungslos überwuchert. Seitdem hat sich viel getan: eine schon zum Abriss freigegebene Empore wurde gerettet, in den Räumen im Erdgeschoss Fußboden verlegt, das Dach wurde saniert, ein neuer Ofen für den Winter eingebaut. Auch der Garten ist kaum wieder zu erkennen: das undurchdringbare Dickicht ist verschwunden und ein gemütlicher Platz zum sitzen und plauschen entstanden. Bei Veranstaltungen ist es hier draußen im Klostergarten immer brechend voll, es gibt ein gemütliches Lagerfeuer und stimmungsvolle Illuminationen. Der Klostergarten ist aber auch das Reich der Garten- und Bienengruppe des Klostervereins. Die Gartengruppe hat Hochbeete angelegt in denen alte Gemüse- und Kräutersorten angebaut werden. Bei Projekttagen mit Kindern und Jugendlichen kann so Wissen über Gemüseanbau und Ernährung an die nächste Generation weitergegeben werden. Die Bienengruppe des Vereins kümmert sich um die Bienenvölker auf dem Gelände. Der gewonnene Honig wird später zu Gunsten des Klosters verkauft. Für ihr Engagement in der Umweltbildung und Erhaltung der Artenvielfalt hat der „Förderkreis Klosterbauhütte Merseburg e. V.“ schon zweimal den Umweltpreis des Landes Sachsen-Anhalt gewonnen.

Das Kloster in Merseburg ist aber nicht nur Bildungs-, sondern auch Veranstaltungsort geworden. In den größten Raum im Kloster, den Sommerrempter, ist eine Bühne eingebaut worden. Hier finden regelmäßig Theateraufführungen der klostereigenen Theatergruppe statt, aber auch Cabaret, Lesungen, Schlagerabende oder Konzerte. Darüber hinaus gibt es wiederkehrende Veranstaltungen wie den irischen Abend und die Beteiligung an Aktionen wie dem Tag des offenen Denkmals und der Merseburger Museumsnacht.
Die Geschichte des „Förderkreis Klosterbauhütte Merseburg e. V.“ zeigt wie viel mit bürgerschaftlichen Engagement und Herzblut erreicht werden kann. In nur sechs Jahren ist durch ehrenamtliche Leistung aus einem baufälligen Gebäude ein vielfältiger Bildungs- und Veranstaltungsort geworden, der aus der Merseburger Kulturlandschaft nicht mehr wegzudenken ist.

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