Pauline Schönfelder

photokina.
Die weltweit bedeutendste Messe für Foto, Video und Imaging, ist am Sonntag, 25. September 2016, nach einer intensiven Woche in Köln zu Ende gegangen. Alle zwei Jahre präsentieren hier rund 1000 Aussteller aus 50 Ländern ihre Produkte und Dienstleistungen auf einer Fläche von rund 200.000 Quadratmetern.
„Imaging Unlimited“
war das Motto der diesjährigen photokina und eine Ansage, die darauf schließen lässt, dass sie auch in Zukunft eine starke Innovationskraft und Business-Plattform bilden wird.
„Mit dem neuen Konzept wollten wir – zusätzlich zu unseren Kernzielgruppen – noch mehr junge Leute dazu anregen, sich tiefergehend mit den Themen Foto, Video und Imaging zu beschäftigen“,
erläutert Katharina C. Hamma, Geschäftsführerin der Koelnmesse,
die Beweggründe für die Neugestaltung der photokina.
„Dafür haben wir die photokina weg von einer reinen Produktschau hin zu einem Multi-Media-Event entwickelt, bei dem die Bildkommunikation im Vordergrund steht. Dass diese Idee sowohl bei den Besuchern als auch den Ausstellern gezündet hat, haben wir in den vergangenen Tagen deutlich gespürt.“

Ob das neue Konzept aufgegangen ist und die Veranstalter
auch die jüngere Generation für sich gewonnen haben?
Hierzu haben wir zwei unserer Studenten
Hannah und Moritz aus Merseburg und Halle befragt.
Was sie alles erlebt haben, könnt ihr nun hier lesen:

Moritz, 21 Jahre, Studium: Kultur- und Medienpädagogik, gebührtiger Nikon-Fan

Hannah, 21 Jahre, Studium: Kultur- und Medienpädagogik, in A0 ist das Leben schön.

Wieso warst du bei der photokina 2016?
Hannah: Weil ich mich schon seit langer Zeit mit Fotografie beschäftige.
Moritz: Bei mir genauso. Und weil die Vorstellung für mich sehr, sehr spannend war zu sehen, was die großen Hersteller so präsentieren und was es für Neuerungen gibt. Und dieses Jahr muss ich ganz eindeutig sagen: Nikon hat mich ziemlich enttäuscht!

Wieso hat dich Nikon so enttäuscht?
Moritz: Andere Hersteller hatten ein viel besseres Auftreten. Nikon hat weder die Kameras der Kunden gereinigt, noch konnte man sich Kameras ausleihen, noch gab es andere interessante Sachen am Nikon-Stand zu sehen. Selbst die Vorträge waren sehr naja … sagen wir gehaltlos.
Hannah: Das war auch sowieso echt schade, dass wir fast keine Vorträge vorher herausgesucht hatten wo wir hingehen. Die, die wir zufällig mitbekommen haben, waren nicht so pralle. Leider. Aber andere, die da so im Programm vorgeschlagen wurden, das war schon eigentlich ne coole Auswahl und interessante Themen.

War es überfüllt mit Angeboten, gab es zu viele Möglichkeiten?
Hannah: Naja, man muss schon bedenken, es waren über 10 Hallen. Es war auch nach einer gewissen Zeit ziemlich anstrengend. Wir sind die ganze Zeit nur gelaufen, wir saßen kein einziges mal und dann muss man alles in der Zeit schaffen. Wenn man dann auch noch anstehen muss um sich die Bilder ausdrucken zu lassen. Da sind ja auch noch andere Leute auf der photokina. Und dann ist man erstmal ein bisschen überfordert.
Also Tipp wäre: sich das Programm auszudrucken, zu schauen wann fährt man zur photokina und dann wirklich gucken, was interessiert mich? Und dann auch zu den Vorträgen hingehen.

Foodbloggerin hält Vortrag für Nikon. #tastyasheck
Foodbloggerin hält Vortrag für Nikon. #tastyasheck

Apropos andere Leute, war die photokina zu voll oder zu leer?
Moritz: Also ich fand es sehr angenehm. Ich hab es mir eher voller vorgestellt.
Hannah: Ja, angenehm und nicht zu voll, obwohl wir am Wochenende da waren. Klar muss man immer mal warten. Die Drucker drucken kein A0 Plakat innerhalb einer halben Sekunde, dann braucht man vielleicht auch mal eine dreiviertel Stunde bis Stunde. Aber das ist es wert.

Bist du vor allem wegen Nikon zur photokina gegangen?
Moritz: Ich muss schon sagen, dass ich mich sehr auf den Nikon-Stand gefreut hatte. Aber ich bin nicht nur wegen Nikon hingegangen, sondern auch wegen den ganzen anderen namenhaften Herstellern und um auch neue namenhafte Hersteller zu entdecken, beziehungsweise direkt mit den Leuten vor Ort über ihre Arbeit in den Firmen zu sprechen. Zum Beispiel mit der Firma Impossible – ein sehr spannendes Projekt.

Wie bist du auf die relativ unbekannte Firma Impossible gekommen?
Moritz: Nachdem mich Nikon, wie schon gesagt, sehr enttäuscht hat, bin ich zum Impossible-Stand gegangen. War sehr spannend mit den Leuten dort zu reden. Impossible ist auch einfach interessant, weil ich mich jetzt die letzten Wochen, angeregt durch ein Seminar von Thomas Tiltman an der Hochschule Merseburg, sehr intensiv damit beschäftigt habe. Und mit der Übernahme der alten Maschinen von Polaroid, die Impossible im Jahre 2008 übernommen hat und nun eben den Vertrieb von diesen alten Filmmagazinen weiterführt.

Wer ist eigentlich Benjamin Jaworskyj?
Hannah: Das ist ein bekannter Youtuber, der viel zum Thema Fotografie und Film macht unter anderem auch Tutorials. Es waren noch andere Youtuber da, das war auch der Ort an dem die meisten jungen Leute waren und anstanden. Ich weiß außerdem noch von NadinaGina Schnittenbauer, die hat auch einen Youtubekanal, Facebook und hat auch Vorträge gehalten, naja… aber bei dem war ich nicht.

Hast du ein paar neue Marken kennen gelernt, die dir besonders gut gefallen haben?
Moritz: Ja! Zum Beispiel Olympus. Da habe ich mir auch eine Olympus Pen Kamera ausgeliehen. Man konnte mit ihr 1 1/2h fotografieren und hat dann auch noch die Speicherkarte geschenkt bekommen. Ich bin sowieso sehr positiv überrascht von dem guten Auftreten von Olympus und die Kamera war auch super. Eigentlich wollte ich mir ja was bei Nikon ausleihen…

Gab es viel Material zum mitnehmen? Was konnte man noch so machen?
Moritz: Also, man konnte sehr, sehr viel machen! Und viele Dinge, die sonst extrem teuer sind kann man hier machen und ausprobieren. Zum Beispiel gab es eine Station, bei der man diese Virtual Reality Brillen ausprobieren durfte, es gab eine Menge Vorträge, man konnte sich fotografieren lassen – vor allem bei den Herstellern, die Sofortbilder machen. Man konnte auch eigene Bilder ausdrucken lassen, teilweise konnte man was Spenden – an ein Institut für Kinder die Krebs haben, teilweise musste man Geld bezahlen, dafür hat man dann aber tolle Bilder bekommen.
Vor allem heraus gestochen ist in jedem Fall die Firma Epson. Die haben es diesmal voll hinbekommen ihre Kunden wirklich glücklich zu machen und neue Kunden zu gewinnen. Definitiv. Zum Beispiel Hannah.
Hannah: Ja! Epson! Ich bin begeistert von den Fotos, die man dort auf Aluplatten drucken konnte. Und das Beste war, dass man sich dort auch Fotos in A0 Format für nur 5€ drucken lassen konnte!!! Was sonst so 60 – 100€ in einer Druckerei kosten würde!
Und ich habe einen Kamerakran ausprobieren dürfen. Außerdem gab es Hefte und Bücher zu günstigen Preisen oder sogar kostenlos zum mitnehmen. Bücher so zum Beispiel über Photoshop, Akt Photografie, wie setze ich wen richtig in Szene, Bild look, Photoshop illustrator, Lightroom, nur über Avid gab es leider nichts.
Moritz: Okay ich bin enttäuscht vom Konzern Nikon. Aber ist dir dieses Programm Avid echt so wichtig? Ist es so gut, dass du es jedem empfehlen würdest?
Hannah: Hey, Avid ist wichtig! Sehr. Echt. Wirklich wichtig! Empfehlen… Also mit Tutorials von Benjamin – ja!

Hannah beim Sichten ihrer potentiellen Druckmasse.
Hannah beim Sichten ihrer potentiellen Druckmasse.

Wusstest du im Vorraus, was der Schwerpunkt der photokina 2016 sein wird?
Moritz: Nein. Von einem neuen Konzept wusste ich auch nichts. Also für mich gefühlt, lag der Schwerpunkt der Photokina 2016 wirklich bei den Actioncams und Dronen. Das waren jetzt so die neueren Sachen tatsächlich.
Hannah: Ansonsten ging es aber schon viel um die sozialen Medien und wie Fotos und Filme die Menschen miteinander verbinden können. Es ging so um das moderne umgehen mit der Fotografie in unserem Digitalen Zeitalter. Für jeden, ob Blogger oder Profifotograf war was dabei, denke ich.

Hast du alles gesehen, was du sehen wolltest, oder hat dir was gefehlt?

Hannah: Also ich glaube, ich war nicht mal in allen Hallen. Da sind zwei Tage einfach zu wenig, da muss man schon drei Tage hin. Also die Leute, die nur ein Tages Ticket hatten tun mir echt leid!

Hast du dich besonders vorbereitet oder was kannst du unseren Lesern empfehlen, wenn sie das erste mal zur photokina gehen?
Moritz: Ich bin da sehr kurzfristig einfach hingegangen. Deswegen habe ich mich nicht besonders groß darauf vorbereitet.
Hannah: Vorbereiten! Ich würde mir Fotos mitnehmen, die mir wichtig sind, die ich ausdrucken lassen will. Verschiedenes auf den Stick packen und schauen was man ausdrucken kann. Und sich viel über die verschiedenen Druckerfirmen und Papier informieren. Ist ja immer auch wichtig, wenn man sich ein Fotobuch zum Beispiel drucken lassen will, einfach mal das Auswahlpapier da zu haben. Proben konnte man da auch mitnehmen.
Dann, sich wirklich drei Tage Zeit nehmen, wenn nicht sogar vier. Man muss ja nicht den kompletten Tag auf der photokina sein, wenn man nicht mehr kann, dann kann man auch gehen. Und wichtig ist: Sich die Routen zur Messe ausdrucken, damit man sich in dem sehr staureichen Gebiet nicht auch noch verfährt. Auch Geld für die photokina selbst einplanen. Also der Parkplatz kostet am Tag 10 €, allerdings sind in den Eintrittkarten auch Nahverkehrstickets für Köln dabei, zur Unterkunft zum Beispiel. Und da wären wir auch schon beim nächsten Punkt: Die Unterkunft. Also kümmert euch wirklich zeitnah und frühzeitig um eine Unterkunft! Ich habe jetzt bei Verwandtschaft übernachtet, aber das hat natürlich nicht jeder. Und die Preise in den umliegenden Hotels werden mit Sicherheit ansteigen, ich würde es als Hotelbesitzer nicht anders machen. Eine gute Alternative ist auf jeden Fall Couchsurfen. Also rechtzeitig drum kümmern und dann läuft das!

Dein Resumée?
Moritz: Die Toiletten waren richtig gut! Das Trinken und Essen ist völlig überteuert, man sollte sich etwas mitnehmen. Überhaupt ist es voll gut, dass man alles mitnehmen darf. Naja außer halt Sprengstoff und Messer…
Hannah: Und Pfefferspray! Ich war noch nie auf einer vergleichbaren Messe und das erste mal auf der photokina. Ich werde auf jeden Fall wieder hin gehen!

Moritz beim Verzehr des Selbstmitgebrachten. Festgehalten mit der ausgeliehenen Olympus Pen.
Moritz beim Verzehr des Selbstmitgebrachten. Festgehalten mit der ausgeliehenen Olympus Pen.

photokina 2016 in drei Worten:
Hannah: Krass, wahnsinnig groß, sehr-sehr-inspirierend.
Moritz: Groß, spannend und schwierig – also Nikon.

Vielen Dank Hannah und Moritz, für das spannende Feedback!
Und vielleicht wird sich nun der ein oder andere in zwei Jährchen, vom 25. – 30. September in Köln, auf der photokina 2018 wiederfinden und ganz neue Entdeckungen machen.
Aber eins ist klar: Wir werden euch bestimmt wieder auf dem neusten Stand halten und ausführlich berichten!

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