Oleksandra Fogel

Zwei Königinnen. Zwei Gegnerinnen. Zwei Cousinen. Ein Film, über den Machtkampf von Maria Stuart und Elisabeth I., der kaum etwas Neues zeigt, aber trotzdem den ungewöhnlichen Blick auf eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert wirft. Er basiert auf dem Drehbuch von Beau Willimon – dem Showrunner der bekannten Fernsehserie House of Cards. Dieses Mal lässt er wieder die Zuschauer hinter die Bühne der Politik blicken – nur 450 Jahre zurück. Nach mehreren Jahren des Hinauszögerns der Dreharbeiten, ist der Film nun endlich auf deutschen Leinwänden zu sehen. Und dank der Regisseurin Josie Rourke, hat man zumindest jetzt die Möglichkeit, das Schauspiel von Saoirse Ronan in der Rolle einer schottischen Königin zu sehen.

Die Geschichte beginnt mit Marias Rückkehr aus Frankreich nach Schottland. Sie ist jung und ambitioniert. Sie hat Anspruch sowohl auf den schottischen als auch auf den englischen Thron. Deswegen sieht Elisabeth, die Königin von England, Marias Ankommen als Bedrohung für ihre Macht. Beide führen einen Briefwechsel, indem Maria versucht ihre Cousine davon zu überzeugen „in einer Welt, wo nur die Männer regieren“ zusammenzuhalten. Aber Elisabeth ist unbeugsam. Sie hat keinen Mann und keine Kinder, was Marias Besteigen des englischen Throns noch wahrscheinlicher macht. Ab diesem Zeitpunkt beginnen die politischen Spiele, nicht nur zwischen den Königinnen, sondern auch zwischen Marias Untertanen. Nicht alle in Schottland freuen sich auf die Herrschaft einer Katholikin.

Trotz der hohen Erwartungen, hat dieser Film bis jetzt ausgewogene Bewertungen bekommen. Abgesehen von vielen gelungenen Momenten, ist er ziemlich verwirrend geworden. Nach diesem Film geht man aus dem Kinosaal mit dem Gedanken „Was ist gerade hier passiert?“ raus. Man bekommt keine Denkanstöße, sondern nur das Gefühl von Unvollständigkeit – was manchmal sogar gut sein kann, aber nicht in Anlehnung zu einem historischen Film. Dennoch weist dieser Film Unstimmigkeiten auf – viele Momente, die gezeigt werden, sind in Wirklichkeit nicht passiert. Beispielsweise das Treffen von Maria und Elisabeth, wobei das eine der stärksten Szenen des Filmes ist. Es gab auch ein paar technische Fehler, wie das Altern von Elisabeth, allerdings nicht von Maria. Obwohl am Ende die schottische Königin 40 Jahre alt war, sah sie genauso aus, wie mit 18 Jahren.

Eines der Vorteile dieses Filmes ist die gute schauspielerische Leistung der Oscar-nominierten Saoirse Ronan und Margot Robbie. Man merkt wie gut beide vorbereitet sind und wie alles komplett durchdacht ist, was ihre Charaktere betrifft. Sie haben ihre Rollen großartig verkörpert – sowohl physisch als auch emotional. Sicheres Reiten und Umgang mit Kleidung, klare innere Motivation der Charaktere von Anfang an bis zum Ende, und natürlich königliche Redeweise und Auftreten – diese schauspielerische Leistung macht den Film in jeden Falle sehenswert.  Die Kostüme sind auch eine der Stärken in dem Film, wofür er auch mehrmals nominiert und ausgezeichnet wurde. Dazu lohnt es sich die wunderschönen Landschaften von Schottland anzuschauen, welche im Film oft gezeigt werden.Man muss auch sagen, dass es ein Echo aktueller Probleme in der Welt ins Leben ruft – zum Beispiel feministische Frage des Regierens oder der Entscheidung zwischen der Familie und Karriere. Die zwei Königinnen werden eher als Frauen und nicht als mächtige Persönlichkeiten dargestellt und durch das Prisma ihres Alltags gesehen, was den Film sehr menschlich macht. Obwohl die Geschichte aus dem 16. Jahrhundert stammt, fühlt es sich sehr bekannt an. Den modernen Blick der Regisseurin sieht man nicht nur in der Darbietung der Königinnen, sondern auch in der Auswahl der Schauspieler – viele Rollen sind von afroamerikanischen und asiatischen Schauspielern besetzt. Zusätzlich gibt es ein unerwartetes Ende für die, die reale Geschichte schlecht oder gar nicht kennen.

Das britische Filmwerk wird als historisches Drama bezeichnet. Es wurde in Großbritannien produziert und erschien im Jahr 2018. Es gehört zu der Reihe von historischen Filmen über Maria Stuart und Elisabeth I. Die bekanntesten dieser Filmreihe sind Elizabeth – Das goldene Königreich (2007) und Mary Queen of Scotts (2013). Das Drehbuch basiert auch auf einer von John Guy geschriebenen Biographie Queen of Scotts: The True Life of Mary Stuart.

Man kann den Film nicht eindeutig als exzellent oder ungelungen beschreiben. Aus diesem Grunde ist er hervorragend dafür geeignet, um sich seine eigene Meinung zu bilden.Es gibt noch genügend Möglichkeiten dazu – der Film läuft bereits ab 17. Januar und bis voraussichtlich Anfang März in deutschen Kinos.

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