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Kulturelle Aneignung – wo fängt sie an und wo hört sie auf?

Besonders in den letzten Jahren bot die Begrifflichkeit „cultural appropriation“ – also „kulturelle Aneignung“ – viel Spielraum für hitzige Diskussionen. Wer einmal Teil dieser Thematik war, bemerkt schnell, dass die Meinungen darüber genauso divers zu sein scheinen, wie die Menschheit selbst. Dabei stellt sich allem voran die Frage: Wo fängt kulturelle Aneignung an und wo hört sie auf?

Um dieser Frage eine greifbare Antwort zuordnen zu können, gilt es vorweg zu klären, was kulturelle Aneignung überhaupt zu meinen versucht. In dieser Bezeichnung stecken zwei Begriffe: „Kultur“ und „Aneignung“.

Kultur bezeichnet etwas, was vom Menschen erschaffen und gepflegt wird. Hier besonders bedeutet sie die Gestaltung des Zusammenlebens bestimmter Menschengruppen. Innerhalb dieser Gruppen, oder besser gesagt Gemeinschaften, herrscht eine bestimmte Sprache, bestimmte Bräuche und Sitten und es sind bestimmte Formen der Kunst verbreitet. All diese Errungenschaften sind Ausdrucksformen dieser Gemeinschaft und haben eine große emotionale Bedeutung für diese.

Unter Aneignung lässt sich das Annehmen einer Sache ohne Eigentümer verstehen. Im Sinne unseres Themas also das Annehmen von kulturellen Erzeugnissen. Diese Erzeugnisse haben keinen Eigentümer oder Besitzer, sondern sind Kulturkreisen zugesprochen. Wenn man sich dieser also annimmt, bedient man sich an fremden Kulturen und eignet sich jene an.

Was genau wird nun darunter verstanden, wenn man den Vorwurf einer kulturellen Aneignung äußert? Vor allem bedeutet es schlichtweg, dass Elemente der Kultur einer Randgesellschaft von einer Mehrheitsgesellschaft abgeschaut und aus dem Kontext gerissen angeeignet werden. Ursprünglich trat diese Thematik nämlich in der Zeit der Kolonialisierung auf, in der Marginalisierte kulturell besonders ausgebeutet werden konnten. Der Klauende wird dabei als respektlos empfunden, weil er der Kultur keine Anerkennung schenken möchte, sondern lediglich seine Identität zu schmücken versucht. Klingt ziemlich hart, ist aber so.

Blackfacing (weiße Menschen malen sich zu Unterhaltungszwecken das Gesicht schwarz an), Dreadlocks bei weißen Menschen, Kindergeburtstage unter einem Indianermotto und Karneval – all das sind umstrittene Situationen, welche unter anderem den Begriff der kulturellen Aneignung prägen.

Der Kurzfilm „Bag of Worms“ – von Grace Rowe aus 2019 – zeigt eine komödiantische Auseinandersetzung mit der allgegenwärtigen Debatte rund um das Thema „Halloween“ und der damit einhergehenden Diskussion um kulturelle Aneignung. Im untenstehenden Video ein kurzer und lohnenswerter Ausschnitt des Films als kleiner Gedankenimpuls.

https://www.arte.tv/de/videos/102458-000-A/kulturelle-aneignung-arte-tracks/

Zusammenfassend lässt sich also nur sehr schwer sagen wann kulturelle Aneignung anfängt und wann sie aufhört. Das eigene Empfinden sowie eigene Ansichten über Kulturen und deren Zugehörigkeit spielen eine große Rolle bei der Bewertung. Vielleicht ist es jedoch ein guter Denkansatz, dass kulturelle Aneignung mit fehlendem Respekt beginnen und mit vorhandenem Respekt aufhören kann?

Im nächsten Beitrag dazu werden einige aktuelle Meinungsstreitigkeiten näher beleuchtet und ausgewertet, damit sich jeder ein eigenes Bild über die ungezügelte Thematik machen kann.

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