Sandra Schulz

„Was ist dir heilig?“ fragt der schwarze Kubus, welcher stark an die Kaaba in Mekka erinnert,
„Wo liegt dein Mekka?“ lautet eine weitere Frage.

Die hallesche Kaaba steht gut versteckt aber doch offensichtlich an der Kreuzung Bernburger
Straße / Händelstraße im Stadtviertel Reileck.
„Ich wohne seit 25 Jahren hier und habe nie gewusst, welch kulturelles Gut wir hier in Halle
haben.“, sagt Herr Scholz und fährt fort, „Man läuft daran vorbei ohne es tatsächlich
wahrzunehmen. Das ist sehr schade.“
Der Kiosk, welcher sich heute „Herr Fleischer“ nennt, war früher ein richtiger Kiosk.
Zeitungen, Süßigkeiten, Alkohol und Zigaretten konnte man dort kaufen, erinnert sich Johanna Lorenz, die in der Umgebung aufwuchs und täglich das Geschehen um den Kiosk mitbekam.
Der Kiosk schloss 2009, aus welchen Gründen ist unbekannt.
„Kunst im Alltag verstärkt ins Bewusstsein zu rücken“ lautet das neu erklärte Ziel des Kiosks.
Aus dem Verkaufsstand wurde schnell ein Treffpunkt für soziokulturelle Kunst.
Das Miteinander bleibt jedoch erhalten.
Erst seit sechs Jahren finden in dem, noch immer gut erhaltenen, Glasbau in unterschiedlichen Abständen kulturelle Ausstellungen von diversen Künstlern oder Vereinen statt. Unter anderem beteiligte sich der örtliche Radiosender, Radio Corax, an mehreren Audioprojekten wie zum Beispiel „Push the Button“, die ImproJukebox.
Auf der offiziellen Facebookseite des Kiosks lautet es: „Auf 4m² städtischem Freiraum betreibt Herr Fleischer seine Schaubude. An zentraler und exponierter Stelle, am Reileck Halle, öffnet er sein Versorgungsfenster für dialogische Momente auf Augenhöhe und ist Schnittstelle für eine mutable Zukunft.“
Jedem, der eine Projektidee und ein passendes Konzept vorschlägt, steht der Kiosk zur Verfügung.
Es reicht eine E-Mail zu senden, dann folgt die Sitzung und die Planung.
Diesem Beispiel folgte der hallesche Künstler Stephan Arnold und begab sich in seiner Ausstellung,
welche vom 15.März bis zum 1.April 2016 stattfand, auf die Suche nach der Frage
„Wo liegt dein Mekka?“.
Dazu hüllte er den alten Kiosk am Reileck in ein schwarzes Gewand mit weißen, leeren Blättern auf denen die Passanten spontan teilnehmen und die oben genannten Fragen beantworten können.
„Das Lächeln eines Fremden“ ist einem Passanten heilig.
„Familie, Freunde, Enkelkinder“ oder „Sommer“ wieder rum anderen.
Es ist ein hohes Gut, wenn man in der immer hektischer werdenden Stadt einen kleinen Platz der Inspiration und Entfaltung findet. Der „Herr Fleischer“ Kiosk am Reileck ist ein gutes Beispiel dafür.
Wer Interesse an einer Mitgliedschaft hat, der kann sich für ein Jahr und 36 Euro bei dem Verein „Herr Fleischer“ melden und Teil einer außergewöhnlichen Idee werden.
Das Projekt wird hauptsächlich von der Kunststiftung Sachsen-Anhalt gefördert.

Von Sandra Schulz und Darina Guddat

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