Michelle Rehahn

Das Kondom ist geplatzt, die Antibabypille wurde erbrochen oder man hat die Verhütung gleich ganz und gar vergessen, und plötzlich besteht die realistische Chance, schwanger werden zu können. Um dies nachträglich, sprich nach dem missglückten Geschlechtsverkehr, zu verhindern, gibt es seit Ende des 20. Jahrhunderts die Notfallverhütung, die sogenannte „Pille danach“. Bis vor wenigen Monaten brauchte man in Deutschland dafür noch ein ärztliches Rezept, dies hat sich nun geändert. Seit 16. März 2015 ist die Notfallkontrazeption nun auch hier von ihrer Verschreibungspflicht gelöst, wie es in 80 Staaten weltweit,davon 23 EU-Staaten, bereits der Fall ist.¹

Quelle: http://www.independent.co.uk/incoming/article9217086.ece/alternates/w620/Morning-After-Pill.jpg
Bild: http://www.independent.co.uk/incoming/article9217086.ece/alternates/w620/Morning-After-Pill.jpg

Allerdings hat der Bundesrat die rezeptfreie Vergabe der „Pille danach“ nur bei den öffentlichen Apotheken erlaubt. Mit der Begründung, dass eine Beratung unerlässlich ist. Um dies weiterhin zu gewährleisten, muss ein Beratungsgespräch vor dem Verkauf stattfinden, für welches die ApothekerInnen weitergebildet werden müssen. Trotzdem stellt sich die Frage, ob die Aufklärung über Wirkungsweise und Nebenwirkungen nur durch die Apotheke (da für die meisten Frauen der Weg zum Arzt nun übersprungen wir) ausreicht.

Aber wie wirkt die „Pille danach“ denn nun?
Sie sorgt dafür, dass die Spermien, die sich bereits in den weiblichen Geschlechtsorganen befinden, nicht auf eine befruchtungsfähige Eizelle stoßen können und es somit nicht zur Befruchtung kommen kann. Um dies zu verhindern, bzw. zu verzögern, unterbindet sie den Eisprung. Sie kann eine ungewollte Schwangerschaft somit nur verhindern, wenn es vom Geschlechtsverkehr bis zur Einnahme des Medikaments zu keinem Eisprung kommt. Heutzutage gibt es zwei verschiedene Medikamente mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Dabei kann das ältere Präparat, das mit dem Wirkstoff Levonorgestrel arbeitet, bis 72 Stunden nach dem vermeintlich gefährlichen Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Das neuste Medikament mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kann hingegen sogar noch 120 Stunden nach der Verhütungspanne genutzt werden. Dabei sollte man bei beiden Präparaten die Tablette(n) so schnell wie möglich einnehmen, da die Wirkung mit fortschreitender Zeit abnimmt. Am wirksamsten ist es, wenn man sie innerhalb von 24 Stunden einnimmt. ²

Warum jetzt erst?
Immer wieder wurde die Auflösung der ärztlichen Verschreibungspflicht abgelehnt. Gründe dafür waren unter anderem, dass Fachleute und Politiker (allen voran der Gesundheitsminister Hermann Gröhe) befürchten, dass diese Änderung negative Auswirkungen auf das Verhütungsverhalten von Jugendlichen in Deutschland haben wird. Die Ängste sind dabei, dass die Jugendlichen nicht mehr genügend über das Medikament informiert werden, da ein Besuch bei einem Arzt ja nicht mehr nötig wäre; das Präparat viel öfter (als nötig) Anwendung finden und eine Erhöhung von Geschlechtskrankheiten auftreten würde; die Jungen und Mädchen nachlässiger die regulären Verhütungsmethoden nutzen würden und bei manchen die „Pille danach“ sogar als reguläre Verhütungsmethoden Verwendung finden würde. ³

ellaoneDie Auflösung der Verschreibungspflicht ist eine große Erleichterung für die Patienten, da diese bereits so schon unter enormen Zeitdruck stehen und es sogar wegen des großen Aufwandes oder wegen Verweigerung von Seiten des Arztes,sein kann, das die „Pille danach“ bisher nicht genommen wurde. Somit kann es natürlich zu einem Anstieg der Einnahme des Medikamentes kommen, was aber keinerlei Grund zur Sorge geben muss, sondern nur bedeutet, dass sich viele Mädchen / Frauen trauen, diesen Schritt zu gehen und nicht vor der Möglichkeit einer ungewollten Schwangerschaft oder gar eines Schwangerschaftsabbruches stehen. Zudem wird sie nicht die regulären Verhütungsmethoden ablösen oder deren Verwendung mindern, da sie dafür mit fast 20 Euro (Wirkstoff Levonorgestrel) bis mehr als 35 Euro (Wirkstoff Ulipristalacetat) vergleichsweise sehr teuer ist.

Wir haben drei Studenten der Hochschule Merseburg gefragt, wie sie zu der Rezeptfreiheit der „Pille danach“ stehen .

Die rezeptfreie Vergabe stellt einen großen Fortschritt für Deutschland dar, besonders in Bezug auf das Selbstbestimmungsrecht der Frau.

Literatur:

¹ Schlütter, Jana (08.01.2015): Notfall-Verhütung: „Pille danach“ in deutschen Apotheken bald ohne Rezept. In: Der Tagesspiegel. http://www.tagesspiegel.de/wissen/notfall-verhuetung-pille-danach-in-deutschen-apotheken-bald-ohne-rezept/11203986.html (01.09.15)

²  o. A.; BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2013): Sichergehn. Verhütung für sie und ihn

³ o. A.; BZgA – Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.) (2012): Jugendsexualität. 2010. Repräsentative Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-Jährigen und ihren Eltern – aktueller Schwerpunkt Migration – . Ergebnisse der aktuellen Repräsentativbefragung, S. 149 / 158 / 186

Ein Beitrag von: Sonnhild Schellenberg, Oxana Ponomareva und Michelle Rehahn

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