Lea Hardock

Kolumbien. Ein Land, das durch seine Vergangenheit von vielen Menschen rund um die Welt mit Drogenhandel, Kokain und Guerrilla-Kämpfern in Verbindung gebracht wird. US-amerikanische Film-Produktionen tragen ebenso zu einer Reputation des Landes bei, die Gefahr und Rückständigkeit vermitteln.

Hier findet ihr 10 Gründe, warum sich eine Reise in dieses südamerikanische Land lohnt, um sich im Jahr 2018 von weltweit bestehenden Stereotypen abzuwenden und sich ein eigenes Bild zu machen.

1. Die Landschaft und Natur

Das Land weist eine außergewöhnlich hohe Arten,- und Pflanzenvielfalt auf. Es finden sich Gebirgsketten, gespickt von kleinen traditionellen Dörfern (Nr. 4), Teile des Regenwaldes, Küsten-und Inselregionen oder wüstenähnliche Steinformationen.

2. Der Geburtsort des Salsa

Cali, die drittgrößte Stadt des Landes hat die Musikrichtung Salsa hervorgebracht. Beim Schlendern durch die Straßen kolumbianischer Städte ist es fast unmöglich diese Klänge zu überhören. Aus Bars, Restaurants oder dem Radio schallen die Laute von Trompeten und die Stimmen der berühmtesten Salsa-Sänger der Geschichte. Ein Highlight sind Straßenkünstler, die an besonderen Tagen beipielsweise am Bulevar del rio, Cali ihr Können zum Besten geben und dafür sorgen, dass Besucher ihre Hüften schwingen lassen. Auch uralte Salsa-Bars sind in Cali auffindbar, in denen in die Jahre gekommene Giganten mit Musikern auftreten.

Wer kann sich nichts unter Salsa vorstellen? Hier eine kleine Hörprobe:

Hector Lavoe, Todo tiene su final

3. Kulinarische Spezialitäten

Wer sich vegetarisch oder vegan ernährt, könnte in Kolumbien etwas enttäuscht werden. Fleisch in allen Variationen und Zubereitungsweisen wird dort an allen Ecken angeboten. Ob chorrizo (Wurst), chicharron (frittiertes Huhn oder Schwein) oder carne molida (Hackfleisch), Fleisch regiert die Speiskarte der Menschen Kolumbiens. Aber auch andere Gerichte werden dort mit viel Können zubereitet. Frijoles (rote Bohnen) zählen zu einer alltäglichen Beilage und werden meist mit Reis verspeist. Auch tostada (frittierte Kochbanane) ist eine erschwingliche Köstlichkeit.

Was sich aber niemand entgehen lassen sollte sind empanadas. Fleisch, Gemüse oder Reis frittiert in einer selbst zubereiteten Masse aus Mais am Besten zu genießen mit frischer guacamole.

4. Traditionelle Bergdörfer

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Filandia

Lea Hardock

Inmitten der Berge bei Cali gibt es eine Vielzahl von bunt bepinselten Dörfern, wie z.B. Salento oder Filandia. Diese üben einen besonderen Zauber auf Besucher_Innen aus, da sie einen traditionellen Lebensstil repräsentieren. Menschen, die größtenteils von Tourismus und Landwirtschaft leben, herumstreunende, übergewichtige Straßenhunde, und eine Aussicht, die zum ausharren einlädt. Vor allem sind diese Regionen berühmt für den frischen kolumbianischen Cafe, der praktisch gerade erst abgepflückt wurde.

5. Das Klima

In Deutschland kennen wir es nicht anders. Frühling, Sommer, Herbst und ein etwas zu langer Winter. Dieses Problem können Kolumbianer_Innen nicht nachvollziehen. Aufgrund der direkten Nähe zum Äquator gibt es in diesem Land jeden Tag im Jahr nur eine Jahreszeit: Sommer. Natürlich schwanken die Temperaturen auch dort, aber unter 20 Grad fällt das Thermometer äußerst selten und auch die tropischen Regenschauer sind ein sehenswertes Naturspektakel.

6. Medellín

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Medellin-Vogelpersepektive

Lea Hardock

Diese Stadt ist mit einer Einwohnerzahl von mehr als 2,4 Millionen Menschen die zweitgrößte Stadt des Landes. Beim Besuch Medellíns lassen sich einige Besonderheiten finden, die einzigartig in Kolumbien sind. So hat diese Stadt seit ca. 25 Jahren eine Metro und ein besonders gut ausgebautes Bus-System. In keinem anderen Teil des Landes gibt es Züge oder Trams. Außerdem verbindet eine Schwebebahn, die sich auf den Bergen befindlichen ärmeren Stadtteile mit dem Kern. In Museen kann man Werke bedeutender Künstler wie den aus Medellín stammenden Fernando Botero bestaunen.

Vorsicht: Genauso wenig, wie Deutsche es mögen unangebrachte Kommentare über die nationalsozialistische Vergangenheit zu hören, mögen es die Menschen Kolumbiens und vor allem Medellíns nicht, wenn sie von schauwütigen Touristen auf Pablo Escobar und den Drogenhandel der Narcos reduziert werden.

7. Comuna 13

Die Comuna 13 war zu Zeiten Pablo Escobar’s einer der gefährlichsten Stadtteile der Welt. Kinder und Jugendliche wuchsen in hohem Maße mit Gewalt auf und einige wurden zu sicarios (Auftragsmörder) ausgebildet. Der Stadtteil war für Außenstehende und Polizei nicht betretbar und in der Hand organisierter Kriminalität. Im Jahr 2018 schmückt die Comuna 13 eine Vielzahl von Streetart und Projekten, wie Hip Hop-Kunst oder Gallerien. Touristen können das bergige Gebiet inzwischen sehr gut besichtigen, da Rolltreppen den Aufstieg erleichtern.

Trotz des außerordentlichen Wandels sind die Probleme dieses Stadtteils nicht durch Kunst und Kultur verschwunden (was gerade einen KMP-Studierenden etwas enttäuschen könnte). Ab 17 Uhr sollten Touristen das Gebiet verlassen, denn rivalisierende Banden kontrollieren immer noch die Straßen der comuna. Auch die jungen Künstler_Innen müssen sich vor Einbruch der Dunkelheit zurückziehen, da der Ausspruch gegen Gewalt und Drogen schnell in mehr Gewalt endet.

8. Die Menschen Kolumbiens

Häufig wird von der außerordentlichen Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Kolumbianer_Innen geschwärmt. Natürlich ist diese Aussage sehr verallgemeinernd. Sie entspricht aber zum großen Teil der Wahrheit: Sollte jemand nicht ausreichend oder perfekt spanisch sprechen, wird schnell mit Kindersprache oder wild gestikulierend versucht, das Kommunikationsproblem zu lösen. Also auch, wenn die Sprachkompetenz im Spanischen nicht perfektioniert ist, muss das vor einer Reise nach Kolumbien nicht abschrecken.

9. Barrio San Antonio, Cali

Der Stadtteil San Antonio in der Stadt Cali ist einer der farbenfrohsten Ecken des Landes. Eine bunte Häuserfront nach der anderen schmückt den bergigen Bezirk der Stadt. Liebevoll gestaltete Restaurants und Parkanlagen liegen nah beieinander und auch viele empfehlenswerte Hostels können dort Unterkunft bieten. Allerdings ist dieser Teil bereits sehr touristisch und im Vergleich zum Rest der Stadt verhältnismäßig teuer. Trotzdem ist ein Aufstieg auf die Spitze des Berges in San Antonio empfehlenswert, da ein Ausblick über die ganze Stadt (vor allem in der Nacht) unbeschreiblich ist.

10. Der Verkehr

Okay, das ist gelogen. Der Verkehr dieses Landes scheint ohne Regeln zu funktionieren, aber ergibt überraschenderweise für die dort Fahrenden dennoch Sinn. Ich bezweifle, dass eine in Europa aufgewachsene Person in der Lage ist diese mysteriösen Regeln entschlüsseln zu können.

Tipp: Fahrt besser nicht selber in Kolumbien.

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