„Wissenschaft ist Dialog“

Johannes Herwig-Lempp

Prof. Johannes Herwig-Lempp (Foto: Kirstin Grunert)

Johannes Herwig-Lempp ist Professor für Sozialarbeitswissenschaften und systemische Sozialarbeit, Prodekan im Fachbereich SMK und seit 2014 Ombudsmann der Hochschule. In dieser Funktion ist er Ansprechpartner für wissenschaftliches Fehlverhalten. @HoMe möchte wissen, was das konkret bedeutet.

Die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens sind doch bekannt. Wieso braucht die Hochschule eine Ombudsperson?  

Ich gehe mal davon aus, dass wissenschaftliches Arbeiten niemals fehlerfrei sein kann. Es muss aber immer das Bemühen darum vorhanden sein. Als Ombudsmann der Hochschule bin ich Ansprechpartner für MitarbeiterInnen und Studierende, wenn jemand den Verdacht auf wissenschaftlich fehlerhaftes Arbeiten hat. Da kann durchaus auch die eigene Unsicherheit Thema sein: Wie genau muss ich zitieren? Oder: Mich beunruhigt eine Frage im Zusammenhang mit meiner Forschung. Auch hierfür möchte ich Ansprechpartner sein.

Warum haben Sie diese Aufgabe übernommen?

Ich bin Sozialarbeiter, Systemiker und Studiengangsleiter für Soziale Arbeit. Ich biete Vermittlungsgespräche auch deshalb an, weil das mein Beruf ist. Und ich kenne die Arbeit mit Beschwerden. Eine Zeitlang habe ich in einer Beschwerdestelle der Jugendhilfe in Halle mitgearbeitet. Beschwerden sind zu Unrecht so schlecht angesehen. Im Gegenteil – sie helfen. Je früher sie ausgesprochen werden, desto eher kann ich darauf reagieren. In meinen Seminaren verwende ich eine gelbe Karte. Darauf steht: „Beschwerden erleichtern die Zusammenarbeit.“ Und das stimmt.

Ein zusätzliches Amt bedeutet zusätzliche Arbeit – warum tun Sie sich das an?

Auch wenn es jetzt etwas pathetisch klingt – ich meine dass es zur Aufgabe der Selbstverwaltung einer Hochschule dazugehört und ich möchte so meinen Beitrag leisten. Ich übernehme gern Verantwortung. Ich kenne Konzepte, die deeskalierend und lösungsorientiert sind. Es macht mir Spaß Konflikte zu verringern und Leute durch Konflikte hindurch zu begleiten. Nicht immer wird es gelingen, eine Lösung zu finden. Aber meistens.

Was sollten die Leser*innen zum Ombudsmann wissen?

Ganz wichtig – alles wird absolut vertraulich behandelt. Gemeinsam mit meinem Vertreter Professor Schenke – wir stehen beide gleichermaßen zur Verfügung – bin ich Ansprechpartner. Niemand sollte sich scheuen, auch mit scheinbar „banalen“ Fragen, oder mit anderen Konflikten zu uns kommen. Auch wenn es um ethische Fragen geht, z.B. bei Befragungen – die immer auch eine Wirkung auf die Befragten haben. Man sollte die Wirkung seiner Forschung immer abschätzen und vorab bewerten.  Dafür wäre eine Ethikkommission an der Hochschule hilfreich. Wissenschaft ist Dialog. Man sollte darüber reden und Entscheidungen treffen.

Leave a Reply