Kinderbetreuung bei den CampusKids – Ein Interview mit Projektleiterin Sandra Frisch

Sandra Frisch ist seit Februar 2016 Projektleiterin bei den CampusKids. @HoMe hat sie zum Werdegang des Projekts, zum Alltag und zu den Zukunftsplänen der CampusKids  befragt.

››Wie sind die CampusKids der Hochschule Merseburg entstanden?
‹‹Die CampusKids wurden 2006 als ein Projekt von Prof. Dr. Menting-Dohmeier gegründet. Ihm fiel auf, dass Studierende manche Lehrveranstaltungen nicht wahrnehmen konnten oder früher gingen, um ihre Kinder aus Kita und Hort abzuholen. Da viele Eltern aus Leipzig und Halle kommen, haben sie entsprechend längere  Wege. Daraus entstand der Gedanke, von Montag bis Freitag und bei Bedarf auch am Wochenende eine Not- und Randzeitenbetreuung anzubieten. 2011 bezogen die CampusKids ihre neuen Räumlichkeiten im Seminargebäude, die stärker auf die kindlichen Bedürfnisse angepasst wurden. Die Finanzierung erfolgt zum Großteil über die Hochschule, was zeigt, dass ihr dieses familienfreundliche Angebot sehr wichtig ist. Auch das Studentenwerk und der StuRa steuern einen festen jährlichen Betrag bei. Anfangs war es recht schwierig, den langen Betreuungszeiten personell gut zu begegnen. Seit Oktober letzten Jahres habe ich eine festangestellte Kollegin, von Beruf Sozialpädagogin und Heilerziehungspflegerin, die mit unseren studentischen Hilfskräften gemeinsam den pädagogischen Alltag gestaltet. Auch die Hilfskräfte bringen fachliche Vorerfahrungen mit – sei es als Erzieher, Museumspädagoge, Zimmerer oder Erlebnispädagoge. Ich finde es sehr schön, dass wir den Kindern auch diese bereichernden Kompetenzen anbieten können.

››Welche Herausforderungen gibt es in der täglichen Arbeit?
‹‹Die Hauptaufgabe der studentischen Hilfskräfte ist es zunächst einmal zu studieren. Das bringt Herausforderungen an den Dienstplan mit sich, vor allem Dienstag bis Donnerstag, da an diesen  Tagen viele Lehrveranstaltungen stattfinden, dementsprechend einige Kinder bei uns sind und auch die Hilfskräfte in ihren Seminaren sitzen. Ich bin froh, dass sie zumindest zum Teil in verschiedenen Semestern studieren und es sich damit etwas entzerrt. Maximal können uns 15 Kinder gleichzeitig besuchen, wobei diese Zahl meist noch nicht ausgeschöpft ist. Aktuell besuchen uns etwas über 30 angemeldete Kinder pro Semester. Die Altersspanne liegt momentan zwischen 9 Wochen und 12 Jahren, wobei die Kinder insgesamt noch recht jung sind, zum Großteil zwischen 0 und 3. Wir freuen uns deswegen auch sehr über Anmeldungen von älteren Kindern.

››Wie sieht der Alltag bei den CampusKids aus?
‹‹Wir orientieren uns bei der Alltagsgestaltung am Bildungsprogramm Sachsen- Anhalts und begleiten im pädagogischen Alltag sensibel die individuellen Bildungsprozesse der Kinder. Wenn es  das Wetter erlaubt, sind wir gern draußen auf dem Campus. Wir haben den Südpark vor der Tür, das ist traumhaft für die Kinder. Sie lieben es sehr, sich Tiere anzuschauen und darüber ins  Gespräch zu kommen. Weiterhin sind wir jeden Donnerstag im Gymnastikraum des Hochschulsports und bieten den Kindern damit einen Raum, wo sie viel Platz haben, sich und ihren Körper zu
erleben. Einmal im Monat bieten wir einen Elternnachmittag an und können so gemeinsam die Entwicklung der CampusKids voranbringen.

››Was ist für die Zukunft der CampusKids geplant?
‹‹Unsere Idee ist, die CampusKids zur Forschungskita weiterzuentwickeln. Dafür wünschen wir uns, noch stärker mit den Fachbereichen zusammenzuarbeiten und den Campus intensiver zu nutzen. Es gibt z. B. tolle Werkstätten, das Tonstudio, Theater – alles Themen, die die Kinder interessieren könnten. Darüber hinaus möchten wir mit den wissenschaftlichen Mitarbeitenden, Professor*innen und Studierenden zusammenkommen und einen Theorie-Praxis-Transfer auf den Weg bringen. Daran anknüpfend möchten wir langfristig auch mit anderen Einrichtungen
frühkindlicher Bildung in Kontakt treten und mit ihnen aus der Praxis heraus neue Fragestellungen generieren, die Anstoß für Forschungsprozesse sein können und dann wiederum als Multiplikator in der Region dienen. Diese Entwicklung hin zur Forschungskita wäre von noch größerem Nutzen für die Hochschule als bisher, da sie weit über die Bildung, Erziehung und
Betreuung der Kinder hinausreicht und den Studierenden ein mögliches späteres Arbeitsfeld fachlich fundiert näher bringt. Ich denke, das könnte für viele Akteure an der Hochschule bereichernd sein. Ein weiterer Schwerpunkt neben dem Weg zur Forschungskita ist unser Außengelände. Wir wollen den Kindern mehr Möglichkeiten geben sich zu bewegen und zu klettern. Dazu haben wir ein Konzept erstellt und hoffen, dass der Entwurf zeitnah umgesetzt werden kann. Ich würde mir darüber hinaus wünschen, dass die CampusKids bei den Mitarbeitenden und Studierenden noch bekannter werden. Unsere Anmeldungen lassen erkennen, dass die Eltern eine beständigere Betreuung für ihre Kinder wünschen. Darüber sind wir sehr froh. Das hat den Vorteil, dass die Kinder  hier auf beständige Spielpartner*innen treffen und wir so über die Betreuung hinaus auch Bildungsarbeit leisten können.

››Wie kann man die CampusKids unterstützen?
‹‹Unterstützen kann man uns mit Sachoder Geldspenden, z. B. über den Bücherbasar zur Campusweihnacht. Die Spenden investieren wir in neue Materialien und darin, Kindern anregungsreiche  Räume für ihre Bildungsinteressen zu schaffen. Wir sind außerdem immer dankbar, wenn Studierende unsere Arbeit kennenlernen möchten und Lust und Ideen haben, diese mit uns gemeinsam weiterzuentwickeln, sei es beispielsweise in einem Praktikum oder in ehrenamtlicher Tätigkeit.

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