Fünf Monate Estland – Erasmus-Semester an der Viljandi Culture Academy

Unsere Rubrik „@HOME in aller Welt“ führt Sie in dieser Ausgabe nach Estland. KMP-Studentin Jenny Pohle berichtet von ihrem spannenden Auslandssemester in dem kleinen baltischen Land.

Estland_JennyPohle

Vereiste Straßen, kleine eingeschneite Holzhäuser, Ruhe. So präsentierte sich mir der Ort Viljandi, als ich ihn im Februar 2016 zum ersten Mal betrat. Hier sollte ich also für fünf Monate studieren und leben. Was das hieß, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht so wirklich klar. Ich wusste nicht viel über Estland, als ich mich entschieden habe, dort mein Erasmus Semester zu verbringen. Als ich mich in meinem ersten Semester der Kultur- und Medienpädagogik mit der Frage auseinandersetzte, wo ich ein Auslands-semester machen wollte, reizte mich an Estland nicht vorrangig das Interesse am Land, sondern am Studienangebot der Viljandi Culture Academy, welche ein College der University of Tartu ist. Hier findet man kulturelle Bildung in den verschiedensten Facetten. Von Tanz und Musik, über Kulturmanagement bis hin zu traditionellen Handwerken – die Möglichkeiten für Studenten sind wirklich zahlreich. Diese Vielfalt faszinierte mich und ich hatte das Gefühl, dass die dort vermittelten Angebote mich am besten in meinem Studium der Kultur- und Medienpädagogik voranbringen. 

Mein Eindruck sollte sich bestätigen, auch wenn nicht alles immer so einfach war wie gedacht. Anfangs stellte sich heraus, dass einige der Kurse, die ich belegen wollte, nur auf estnisch waren und es deswegen unmöglich für mich war, an diesen teilzunehmen. Das war einerseits schade, aber dank der Hilfe der Dozenten und der Erasmus-koordinatorin gelang es mir dennoch spannende Kurse zu besuchen. So belegte ich verschiedene Tanzkurse, wie estnischen Volkstanz, Standarttanz und Kontaktimprovisation (dabei wurde ich definitiv aus meiner Komfortzone heraus geholt), hatte Sprachtraining mit den Schauspielstudenten und auch einen erlebnis-pädagogischen Kurs, in dem ich alles über Knoten und Kletterequipment lernte. Faszinierend waren für mich auch die verschiedenen theoretischen Kurse. Einer davon war beispielsweise Cross Cultural Education, hierbei ging es um die Analyse von verschieden Aspekten (wie Individualismus, Pünktlichkeit, Offenheit ect.) in 

verschieden Kulturen. Aber auch die Kurse Anger Management und Public Speaking haben mir in meiner persönlichen Entwicklung geholfen und meinen Horizont erweitert. Da Estland eine reiche kunsthandwerkliche Geschichte hat und diese sehr wertschätzt und pflegt, gibt es Studiengänge die sich mit traditionell estnischem Handwerk beschäftigen. Dadurch konnte ich einen Häkelkurs und einen Goldschmiedekurs besuchen.  

Insgesamt habe ich in den Kursen viele Dinge gelernt, die ich mir sonst wahrscheinlich nie angeeignet hätte. Um mir dies zu ermöglichen, war es nötig, Eigeninitiative zu zeigen und sich bei den Lehrern zu informieren, inwiefern es möglich ist an ihren Kursen teilzunehmen. Viele Lehrer gaben ihr Bestes, mich in ihren Klassen zu integrieren und halfen mir, in dem sie mir ihre Inhalte übersetzen. In den Kursen, wo dies nicht der Fall war, gab ich mein Bestes, um dennoch mitzuhalten. Durch die Sprachbarriere habe ich vor allem praktische Kurse besucht. Dies ließ sich leider nicht ändern, auch wenn es noch einige Kurse gab, die ich ansonsten gern besucht hätte. 

Viljandi an sich ist eine kleine Stadt, aber sie ist durchaus sehr schön mit ihrer Burgruine und dem See der im Sommer zum Baden einlädt. Besonders angetan haben es mir die kleinen Cafés in denen man sich wunderbar die Zeit mit lesen oder tagträumen vertreiben kann. Ganz Estland hat eine faszinierende Landschaft mit grünen Wäldern, Inseln und Sümpfen. Aufgrund eines Automangels war es mir bloß leider nicht möglich, so viel zu erkunden wie ich es gerne getan hätte. Überall wo man hinkommt sieht man die Liebe der Esten zu ihrem kulturellen Erbe und ihrem Land, vor allem das Mitsommernachtfest mit seinem riesigen Feuer und den tanzenden Menschen ist eine ganz besondere Erfahrung. Auch die Hauptstadt Tallinn habe ich mehrfach besucht, neben der wunderschönen historischen Altstadt gibt es spannende kulturelle Zentren und den wohl besten Eierkuchenladen der Welt. 

Fünf Monate war ich in diesem kleinen Land, es gab einige Hochs und Tiefs, aber es war definitiv eine Erfahrung die ich nicht missen möchte. 

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