Eindrücke von Auschwitz

ErkentnisseAuschwitz

Foto: Franziska Windirsch

Studierende des Studiengangs Angewandte Medien- und Kulturwissenschaft haben die Diskussion um die Günter-Adolphi-Straße zum Anlass genommen, verschiedene Stationen in Adolphis Leben genauer zu untersuchen. Für ihre Recherchen zu dessen Tätigkeit bei der IG Farben in Auschwitz Monowitz besuchten sie im Rahmen einer Exkursion gemeinsam mit Prof. Alfred Frei das Vernichtungslager aber auch die Wohnsiedlung und das Chemiewerk im heutigen Oświęcim. Nancy Stalp hat die Eindrücke zusammengefasst.

Die zweite Dezemberwoche im vergangenen Jahr war kalt und grau. Die Mehrzahl der Studierenden stand das erste Mal vor dem großen Eingangstor mit der Inschrift: „Arbeit macht frei“ im ehemaligen Stammlager – Auschwitz I.

Wir standen neben den roten Backsteingebäuden, die mit Blocknummern versehen waren. Wir standen mit Entsetzen vor der Schwarzen Wand, wo Häftlinge kaltblütig und skrupellos erschossen wurden. Wir sahen die kilometerlangen Hochspannungszäune mit Stacheldraht, die das Entkommen verhinderte. Wir sahen die Ansammlung abertausender Brillen der Ermordeten. In einem weiteren Raum lagerten tonnenweise Haarbüschel in den Vitrinen, in einer anderen tausende Paar Schuhe – auch kleine Kinderschuhe, sowie Berge leerer Koffer der ermordeten Männer, Frauen und Kinder. Es war das einzige was von ihnen zurückgeblieben ist.

Nach dieser umfassenden Führung ging es für uns nur wenige Kilometer weiter in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, wo die Vernichtung der Juden ihren grausamen Höhepunkt fand. Der Besuch machte uns die räumliche Dimension bewusst, in der das unvorstellbare Ausmaß der Brutalität stattfand.

Wir standen in den kalten Steinbaracken, in denen die geschwächten und hungernden Häftlinge zusammengepfercht wurden. Unser Studienführer wanderte mit uns durch das ungeheuerliche Gelände und schilderte den Prozess der Vernichtung im Konzentrationslager: 1,1 Millionen Opfer in weniger als vier Jahren: 5 – 10.000 Morde jeden Tag.

All diese schrecklichen Bilder waren uns bereits aus der Literatur bekannt. Erst mit dem Betreten des Vernichtungslagers wurde uns die räumliche Dimension vor Augen gehalten und unterstrich das Ausmaß der unsagbaren Grausamkeit, die sich in dem Konzentrationslager zugetragen hatte.

Auschwitz III (Monowitz) – heute eine normale Wohnsiedlung und ein Chemiewerk. Von der Vergangenheit, einem ehemaligen Arbeits- und Gefangenenlager, blieb nicht viel erhalten außer den

Begrenzungspunkten des Lagers. Die Sicht auf das heutige Wohngebiet ermöglichte uns einen Eindruck über die Größe des Lagers, wo die Häftlinge für die Arbeit der IG-Farben-Werke untergebracht worden. Ein Vortrag über IG Farben auf Englisch sowie die Recherche im Archiv der Gedenkstätte machten deutlich: Auschwitz-Monowitz war gleichfalls ein Vernichtungslager.

Im täglichen Ablauf konnte dies keinem Werksangehörigen verborgen bleiben; kluge Werksangehörige machten sich auch Gedanken, was mit den Insassen der täglich im nahegelegenen Auschwitz-Birkenau in großer Zahl ankommenden Deportationszüge geschehe und woher der Rauch stammte, der aus dem Schornstein des Krematoriums entwich.

In Auschwitz-Birkenau besuchten wir eine Sonderausstellung über die Geschichte des IG Farben Werks Auschwitz. Dort bekamen wir einen Einblick über die Arbeitsbedingungen der Häftlinge, die diese Einschätzung unterstrich: 1942-1945 in Auschwitz zu sein, bedeutete von der Vernichtung Kenntnis zu haben.

Nancy Stalp

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