Tabitha Epp

Für 8€ von Berlin nach Tel Aviv, für 20€ nach Mallorca – Billigflug-Airlines wie Ryanair oder easyJet locken immer mehr mit ihren Angeboten. Es ist nicht selten, dass eine 2.000km lange Reise über ein halbes Dutzend Länder hinweg günstiger als eine 400km lange Zugreise innerhalb der deutschen Landesgrenzen ist. Da ist es natürlich reizvoll, den Wochenendbesuch bei den Eltern durch ein paar Tage Strandurlaub im Süden zu ersetzen. In der Folge steigt natürlich die Nachfrage nach billigen Flugtickets: Laut Icao (Internationale Zivilluftfahrtorganisation) wurden im Jahr 2017 so viele Passagiere befördert wie noch nie. Auf 37 Millionen Flügen wurden weltweit circa 4,1 Milliarde Menschen von A nach B gebracht. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 7,1 Prozent, wofür als einer der Hauptmotoren die Billigfluggesellschaften zählen, die für circa 30 Prozent des zivilen Luftverkehrs verantwortlich waren.

Es gibt keine klimaschädlichere Art, sich fortzubewegen, als zu fliegen

Dass zahlreiches Fliegen nicht sonderlich gut für die Umwelt ist, ist bekannt. Das Wort „Flugscham“ ist in aller Munde. Und tatsächlich gibt es keine klimaschädlichere Art, sich fortzubewegen, als zu fliegen.

Doch was ist es eigentlich, was das Fliegen so problematisch für die Umwelt macht? CO2 ist nämlich nicht das alleinige Problem. Zum einen werden zwar in der Tat große Mengen an CO2 ausgestoßen, zum anderen entstehen bei der Verbrennung von Kerosin andere Substanzen wie Stickoxide, Aerosole und Wasserdampf. Besonders problematisch daran ist, dass all diese Gase in Sphären emittiert werden, in denen der Abbau viel langsamer von statten geht als am Boden.

Aerosole, kleinste Partikel, streuen direkt Sonnenlicht zurück und können indirekt auf die Eigenschaften von Wolken Einfluss nehmen. Durch die Entstehung von Kondensstreifen, die sich durch den ausgestoßenen Wasserdampf bilden, werden Wolken auch ganz direkt beeinflusst. Somit führt ein vermehrtes Vorkommen von Aerosolen und Wasserdampf in der Atmosphäre zu einer Veränderung der natürlichen Wolkenbildung. Durch die Stickoxide ändert sich die Chemie der Atmosphäre, denn es wird zusätzlich Ozon aufgebaut. Diese Emissionen tragen zusätzlich neben der CO2-Belastung zur Klimaerwärmung bei, da sie in Reiseflughöhe viel langsamer abgebaut werden können als am Boden. Summiert man all diese Effekte, so kommt man auf eine durchschnittlich zwei- bis fünfmal höhere Treibhauswirkung als vom alleinigen CO2.

Weltweite Anzahl der Flugpassagiere wird sich Prognosen zufolge in 18 Jahren fast verdoppelt haben

Zwar sind nur 2,2 Prozent der von Menschen verursachten Emissionen den CO2-Emissionen des Luftverkehrs zuzuschreiben. Das mag wenig klingen und den Luftverkehr im Zusammenhang mit dem Klimawandel als vernachlässigbar erscheinen lassen. Ist aber nicht so. Erstens muss bedacht werden, in welchen Höhen dieses CO2 ausgestoßen wird. Zweitens – wie oben schon erwähnt – verstärkt nicht nur CO2 den Treibhauseffekt, sondern es gibt zahlreiche andere Schadstoffe, die vom Flugverkehr verursacht werden und die tief in das Klima des Planeten eingreifen. Außerdem wird diese Zahl nicht so klein bleiben, denn der Flugverkehr als Wirtschaftssektor ist in den letzten Jahren rasant gewachsen und wird es auch weiter tun. Die Anzahl der Passagiere wird weiter steigen und mit ihnen der Kerosinverbrauch und der Ausstoß an Treibhausgasen. Laut Prognosen der IATA (International Air Transport Association, dt. Internationale Luftverkehrs-Vereinigung: Dachverband der Fluggesellschaften) wird sich die Zahl der jährlichen Flugpassagiere bis zum Jahr 2036 fast verdoppelt haben – von 4,1 Milliarde im Jahr 2017 zu 7,8 Milliarde im Jahr 2036. Durch den anhaltenden Boom des Flugverkehrs schätzt die UNO, dass bis Mitte des Jahrhunderts circa 22 Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes dem Fliegen geschuldet sein wird. Das sind Prognosen, die angesichts der Tatsache wie es schon jetzt um unseren Planeten steht, schlichtweg nicht tragbar wären.

„Das Flugzeug fliegt doch trotzdem!“

Ein oft angebrachter Einwand gegen Flugverzicht ist, dass das Flugzeug ja trotzdem fliege, ob ich nun ein Ticket kaufe oder nicht. Und natürlich – wenn ich bei meiner nächsten Reise beschließe mich in den Zug zu setzen, anstatt mir ein Flugticket bei Ryanair zu kaufen, dann beschließt Ryanair nicht plötzlich die Maschine am Boden zu lassen. Aber das Angebot bestimmt die Nachfrage. Der Einwand zieht also ungefähr so gut wie „Es macht das Schwein auch nicht wieder lebendig, wenn ich diese Salami jetzt nicht kaufe. Is‘ ja schon tot.“.

Wenn es um Urlaubsreisen geht, dann muss es ja nicht immer gleich das Flugzeug sein. Reisen auf dem Landweg bieten zahlreiche Vorteile und es gibt unbegrenzte Möglichkeiten. Verreist man beispielsweise mit dem Zug, so bekommt man jeden zurückgelegten Kilometer bewusst mit, bekommt ein Gefühl für die Distanz und kann beobachten wie sich die Landschaft verändert. Komfortabler als ein Flugzeug ist es im Zug meist auch: man hat mehr Beinfreiheit und mehr Platz sich zwischendurch mal die Beine zu vertreten. Außerdem hat man sein Gepäck bestens im Blick und man läuft nicht in Gefahr plötzlich am Urlaubsziel ohne Zahnbürste dazustehen, weil diese fälschlicherweise in eine ganz andere Richtung gereist sind. Auch mit dem Fernbus kommt man oft weiter als gedacht und innerhalb Europas gibt es eine breite Auswahl an verschiedenen, teils sehr günstigen Anbietern. Fährt man gerne Fahrrad, so ist auch das eine perfekte Möglichkeit mehr von der Welt zu sehen.

Natürlich nehmen all die Alternativen zum Flugzeug mehr Zeit im Anspruch, doch einen Riesenvorteil haben sie alle gemeinsam: Sie sind weitaus umweltfreundlicher. Und das ist ein sehr schwerwiegendes Argument.

Dass man an manche Orte nur mit dem Flugzeug kommt ist logisch. Und ob „man sich wirklich schämen sollte“, wenn man das Flugzeug nimmt ist nochmal eine ganz andere Frage. Doch es ist unverzichtbar, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst werden. Und diese Verantwortung hat jede einzelne Person, die priviligiert ist zu Fliegen. Gibt es keine andere Möglichkeit, an mein gewünschtes Ziel zu kommen? Habe ich meinen Flug vielleicht nur gebucht, weil er so billig war und mir geht es gar nicht direkt um das Ziel? Gibt es irgendwelche Alternativen? Und wenn ich tausende Kilometer um die halbe Welt fliege, würde es dann nicht mehr Sinn machen eine längere Zeit zu bleiben als nur zwei Wochen?

 

Schreibe einen Kommentar