Linda-Marie Theet

Es ist ein Thema, über das selten gesprochen wird, aber das jeden Menschen mit einer Gebärmutter betrifft: de Monatshygiene.

Die meisten Frauen verwenden Tampons oder Binden. Alternativ gibt es auch die Menstruationstasse, die sich gerade in den letzten Jahren an wachsender Beliebtheit freut. Doch warum ist eine Alternative überhaupt sinnvoll?

Ein Tampon besteht vor allem aus Kunstseide und Baumwolle. Bei der Baumwollproduktion werden die Böden ausgelaugt und 25 % der weltweit verwendeten Pestizide und Insektizide eingesetzt. Darunter fünf der neun giftigsten Pestizide. Die Folgen sind nicht nur für die Umwelt sondern auch für viele Menschen verheerend: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass beim Baumwollanbau jährlich etwa 20.000 Menschen an den Folgen einer Pestizidvergiftung sterben.

Da Tampons, Binden und andere Hygieneartikel sind als Einwegprodukte sehr Ressourcenbelastend. Eine Frau, die regelmäßig Tampons verwendet, verbraucht in ihrem Leben im Schnitt etwa 12.000 Stück davon.

Doch auch für die Gesundheit ist die Benutzung von Tampons bedenklich.   Denn die in der Baumwolle enthaltenen Pestizide und Bleichmittel kommen über viele Stunden in engen Kontakt mit Haut und Schleimhäuten. Die Ergebnisse des Ökö-Tests sind ernüchternd: Nur eine Marke war ohne Mängel, in zwei Produkten fanden die Labore sogar krebsverdächtiges Formaldehyd. Außerdem haben Tampons eine flüßigkeitsaufsaugende Eigenschaft; sie saugen auch für die Gesundheit der Scheidenflora wichtige Flüssigkeit auf und begünstigen damit eine Pilzinfektion.

Eine Menstruationstasse hingegen fängt die Monatsblutung in ihrer kelchartigen Form auf und wird wie ein Tampon in die Scheide eingeführt. Aufgrund ihres größeren Fassungsvolumens muss sie nicht so oft gewechselt werden wie ein Tampon. Laut Hersteller kann sie bis zu 10 Jahre verwendet werden. Von Nachteil ist das anfänglich ein wenig gewöhnungsbedürftige Einsetzen und Entfernen der Tasse.

Doch warum wird die Menstruationstasse erst so langsam bekannt, obwohl sie bereits 1937 erfunden und patentiert wurde?
Die damals noch aus Gummi hergestellte Menstruationstasse wurde vor dem 2. Weltkrieg in kleiner Stückzahl produziert, bis im Krieg Gummi so knapp wurde, dass die Produktion ein
gestellt werden musste. Unter dem Namen „Tassette“ wurde sie Ende der 1950er Jahre erneut in kleiner Stückzahl herausgebracht. Der Verkauf lief jedoch nur schleppend; 1963 wurde die Produktion ganz eingestellt.

In der Zwischenzeit hat die Massenproduktion der bereits 1931 in Amerika patentierten Tampons Fahrt aufgenommen. Schon 1947 wurde ein Produkt nach amerikanischem Vorbild für den deutschen Markt konzipiert. Es erhielt den Namen Ohne Binde, kurz „O.B.“

Ein 1987 in Ohio gegründetes Unternehmen nahm die Idee der „Tassette“ auf und produziert seitdem Menstruationstassen namens „The Moon Cup“, die erste aus medizinischem Silikon hergestellte Menstruationstasse. Silikon hat sich als Standardmaterial durchgesetzt, weil es leichter und flexibler als Gummi ist und keine Allergien auslöst. In den letzten zehn bis 20 Jahren hat sich die Menstruationstasse auch auf dem europäischen Markt verbreitet. Mittlerweile wird sie von zahlreichen europäischen Firmen Produziert, wie zum Beispiel seit 2005 von dem finnischen Unternehmen Lunette.

In handelsüblichen Geschäften sind die Tassen trotzdem bisher nur selten zu finden. Denn ein Produkt, mit dessen Kauf die Verbraucherinnen eine langfristige Investition tätigen, ist bei weitem nicht so profitabel wie ein Einwegprodukt, das ständig nachgekauft werden muss. Der Tamponindustrie, die allein dieses Jahr einen Umsatz von etwa 2,58 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen hat, steht weitaus mehr Geld für Werbung und Vertrieb seiner Produkte zur Verfügung.

Die Menstruationstasse ist eine gute Alternative für Tampons, die Körper, Umwelt und Geldbeutel schont und dank dem wachsenden Körper- und Umweltbewusstsein sowie der Verbreitung über soziale Netzwerke und Youtube bald 80 Jahre nach ihrer Geburt endlich wachsenden Anklang findet.

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