Rebecca Haueis

Die 4 – jährige Nour aus Berlin hat Blutkrebs. Sie leidet an der Sichelkrankheit, einer Erkrankung des blutbildenden Systems. Nur eine Stammzellenspende kann ihr Leben retten. Alle bisherigen Versuche, geeignete Spender zu finden, sind bisher erfolglos geblieben.

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Unter dem Motto „Nour will leben“ plante eine Initiativgruppe der Hochschule Merseburg aus den Studiengängen Kultur- und Medienpädagogik und soziale Arbeit seit Anfang Februar eine große Typisierungsaktion. Gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspende (DKMS), die mit über fünf Millionen registrierten Stammzellspendern der weltweit größte Dateienverbund ist, sollten am 06. Mai 2015 von 10 bis 16 Uhr neue potenzielle Stammzellspender gewonnen werden. Um der kleinen Nour zu helfen, entschlossen sich die Merseburger Studierenden und die Bevölkerung aus Merseburg und Umgebung sich zum ersten Mal typisieren zu lassen. Anlass der Studenten war es, möglichst viele Spender zu finden. Mehr als 48.000 Mal konnte ein DKMS-Spender einem Patienten helfen.
Nach Monate langer, aufwendiger und zeitintensiver Organisation des Registrierungstages war es gelungen 131 Studierende, Mitarbeiter und Professoren zu registrieren. Die Typisierung erfolgte durch einen Speicheltest per Wangenabstrich. Mitmachen konnte grundsätzlich jeder, der gesundheitlich fit und zwischen 18 und 55 Jahren ist. Spender, die sich schon bei einer Typisierungsaktion registrieren ließen, müssen nicht nochmal daran teilnehmen. Jedes typisieren kostet die DKMS, die auf Geldspenden angewiesen ist, 50 Euro.

Babette Gebhardt, Mitarbeiterin der DKMS, informierte über die Ergebnisse der Typisierung in der Hochschule Merseburg.

Wissen Sie, ob unter den 131 Registrierten schon ein potenzieller Spender gefunden wurde?
Leider liegt uns bis jetzt noch kein HLA-Befund vor. Die Proben befindet sich jedoch zurzeit im Labor zur Registrierung. Dies kann erfahrungsgemäß einige Wochen dauern. Um dies zu evaluieren, hatte die Aktion das Kürzel HSL 113. Jeder, der als Spender infrage kommt, wird von uns benachrichtigt.

Sollen auch in Zukunft Typisierungen an Hochschulen durchgeführt werden?
Natürlich, denn Jungspender (bis ca. 30 Jahre) sind von den Transplanteuren gewünscht und bevorzugt. Sie sind gesund, meistens unkompliziert bzgl. Arbeit, Verfügbarkeit sowie Mobilität und bleiben der Datei noch lange erhalten.

Was passiert mit den Proben nach der Registrierung? 
Im Rahmen der Neuaufnahme-Registrierung werden nur die für die Transplantation wichtigsten Gewebemerkmale (HLA-Merkmale) festgestellt – es werden keine weiteren Tests, z.B. auf Krankheitserreger wie das HI-Virus oder Ähnliches gemacht. Auch die Blutgruppe wird zu diesem Zeitpunkt nicht bestimmt, weil sie für eine Transplantation von untergeordneter Bedeutung ist. Kommt aber ein Spender konkret für einen Patienten infrage, werden bei der sog. Bestätigungstypisierung die verschiedenen Infektionsparameter untersucht. Wird der Spender dann wirklich für den Patienten ausgewählt, wird in einer ausführlichen Untersuchung vor der Entnahme der komplette Gesundheitszustand des Spenders überprüft, um mögliche Erkrankungen auszuschließen.

Die aktuellen Zahlen und Fakten zur Typisierung werden auf der Website der DKMS veröffentlicht. Die Veranstalter freuen sich über die rege Beteiligung an der Registrierung und wünschen sich auch in Zukunft eine Kooperation zwischen der Hochschule Merseburg und der DKMS.

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