Isabel Radam

Spielen und Lernen zugleich, mag für viele erst einmal unmöglich klingen, vor allem, wenn man sich den meist noch sehr traditionellen Frontalunterricht in vielen Schulen ansieht. Doch Spaß am Lernen ist keinesfalls nur für einige wenige bestimmt, denen die Schule Spaß macht.

Ein Lichtblick in der oft tristen Schulwelt ist das Genre der „Serious Games“.

Anders als viele Kinder der 90’er jetzt befürchten mögen, handelt es sich nicht um die „ach so tollen“ Lernspiele „Englisch für Klasse 5-7“ oder „Mathe Klasse 8-10“, sondern tatsächlich um jene Spiele, bei denen man fast gar nicht merkt, dass man lernt, oder in denen man freiwillig möglichst viel in Erfahrung bringen möchte.

Serious Games gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen, von offensichtlich lehrend – wie die Spiele, die wieder vielen Kindern der 90’er oder frühen 2000‘dern bekannt sein sollten – den Spielen zur Serie „Löwenzahn“ mit Peter Lustig, oder Spiele, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit der Lehre zu tun haben. Dazu gehören zum Beispiel auch die skurrilen Abenteuer der „Professor Layton“ Reihe, die durch Ihre kniffeligen Rätsel eindeutig nur etwas für helle Köpfchen sind.

Trailer zu "Professor Layton und die Schatulle der Pandora" - dem zweiten Abenteuer von Layton und seinem Lehrling Luke.

Dabei kann das, was durch die Spiele gelernt wird, in den verschiedensten Bereichen – oder um es schulisch auszudrücken: Fächern – genutzt werden.

Von emotionalen Spielen die sich mit dem ersten Weltkrieg auseinandersetzen, wie „Valiant Hearts“ (Geschichtsunterricht), über moralisch, melancholische Grenzsimulationen wie „Papers, Please“ (Philosophie- oder Ethikunterricht), hin zu Physikspielereien wie in „Ludwig“ (Naturwissenschaftlicher Unterricht).

Trailer zu "Papers, Please"

Das besondere an vielen Serious Games ist, dass wir sie uns freiwillig „antun“, denn es macht einfach Spaß, in ihre Welt einzutauchen. Dabei merken wir oft gar nicht, dass uns etwas beigebracht wird, obwohl die Spiele keinen Hehl daraus machen. Am Ende gehen wir immer Schlauer aus der ganzen Sache heraus.

Da das Genre immer mehr an Ansehen erhält und der Nutzen solcher Spiele auch langsam in den Köpfen der Lehrer Platz findet (Sie haben ja schließlich 20 Jahre gebraucht, denn schon Löwenzahn wies darauf hin, dass es im Unterricht genutzt werden soll), werden vermehrt „ernste“ Spiele entwickelt.

Auch die Hochschule Merseburg ist hinsichtlich dieser Thematik nicht untätig; sie geht vielleicht sogar einen Schritt weiter, denn in dem Projekt „Visualisierungen für immersive Medien und virtuelle Räume“ (kurz IMVIR) werden Serious Games für die Anwendung mit VR-Brillen entwickelt. Das Förderprojekt des Wirtschaftsminsiterium des Landes Sachsen-Anhalt, wurde dieses Jahr unter der Leitung von Prof. Marco Zeugner gestartet und sorgt bald für mehr Spannung und Abwechslung im Klassenraum und unter der Kuppel des Planetariums. Bei der Entwicklung der Serious Games wird auf die Verbindung zu den entsprechenden Lehrplänen geachtet und Informationsmaterial dazu mit erarbeitet, denn oftmals fehlt gerade hier die Hilfestellung für die Lehrenden.

Genau wie bei den bekannten Vorbildern soll auch hier das Spielen im Fokus liegen und das Lernen nebenher laufen, sodass wir am Ende nicht nur einer spannenden Geschichte folgen können, sondern auch wahre Meister auf dem Gebiet der Naturwissenschaft sind (Zumindest fühlt man sich immer sehr schlau, wenn man ein Serious Game gemeistert hat. Ob das auch der Fall ist, merkt man meist erst, wenn das Wissen später noch einmal gebraucht wird).

In diesem Podcast gibt es für euch nochmal ein paar Beispiele für Serious Games, unter anderem mehr Informationen über die oben bereits erwähnten Spiele „Löwenzahn“, „Valiant Harts“ und „Ludwig“.

Podcast "3 Leben", über Serious Games.

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