Elisa Schulz

Es ist Freitagabend, die Sonne geht gerade unter und ich schalte meine Nachttischlampe ein, die das Hogwartslogo zeigt. Mein Freund liegt neben mir und wir überlegen, ob wir uns noch einen Film anschauen. „Wir könnten mal wieder Harry Potter gucken“ sagte er und grinste.

Ich bin 21 – Fan seit der ersten Stunde kann ich mich nicht nennen, denn als das erste Buch der Harry Potter Reihe in Deutschland veröffentlicht wurde, war ich grade ein Jahr alt.

Die Fantasy-Romanreihe der englischen Schriftstellerin Joanne K. Rowling, erzählt die Geschichte des Jungen Harry Potter, der an seinem elften Geburtstag unerwartet Schüler des britischen Zaubererinternats Hogwarts wird. Dort gewinnt er Hermine Granger und Ronald Weasley als Freunde und kämpft mit ihnen gegen den bösen Magier Lord Voldemort und dessen Gefolgsleute, die sogenannten Todesser, die die Herrschaft über die Zaubererwelt erringen wollen.

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Harrys Briefe für Hogwarts

Foto: Elisa Schulz

Aber was genau macht den Jungen, der Überlebte, so besonders? Obwohl die Bücher in das Kinder- und Jugendgenre gehören, sind 50 Prozent der Leser Erwachsene. Zurückführen könnte man das auf J. K. Rowlings Schreibstiel, aber auch ihr weitreichendes Wissen über die Mythologie, die sie parodistisch einfließen lässt. Als Drittes kann man hier auch die Verbindung von unserer Welt mit der von Harry Potter nennen. Sie hat nicht wie J. R. R. Tolkien in „Der Herr der Ringe“ eine ganz neue Welt erschaffen, sondern die Magische mit der Unseren verbunden.

„Harry Potter ist Weltkulturerbe“, behauptet Britta Bode in der WELT vom 21.10.2007, zur Veröffentlichung des letzten Bandes „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“.

Wahre Lobeshymnen waren zu hören und zu lesen, sogar mit Shakespeare und Joyce wird Rowling verglichen.

Fast 10 Jahre später feierte „Harry Potter und der Stein der Weisen“ 20-jähriges Jubiläum und auf der ganzen Welt wurden die Zauberstäbe gehoben. Bisher wird geschätzt, dass allein der ersten Band 107 Millionen Mal verkauft wurde und es bricht nicht ab. Der Zauberlehrling Harry Potter steht mittlerweile in einer Reihe mit Huckleberry Finn, Alice im Wunderland und Frodo Beutlin. Die Welt um den „Jungen der Überlebte“ ist groß: Neben den bekannten Büchern und Filmen, findet man Harry Potter auch in Video- und Gesellschaftsspielen, Kochbüchern, Schmuck und Kleidung wieder. Die irische Unternehmenskette Primark ist hierfür das beste Beispiel. Nicht umsonst wird J. K. Rowlings Vermögen auf knapp 770 Millionen Euro geschätzt („The Richest“, 2017) – das ist mehr, als das der Königin von England!

Ein Einblick in die Ausstellung "Harry Potter: The Exhibition"

Viele der Fans sind mit Harry Potter groß geworden und nun Erwachsen. So zeigt eine Studie aus den USA, dass mehr als Zweidrittel der Fans über 25 Jahre alt sind. Zum Vergleich: Beim ersten „Potter“- Film waren ein Drittel der Zuschauer noch Kinder, beim zweiten Film waren 60 Prozent noch unter 15 Jahre alt. Jetzt sehen sich die nun Erwachsenen die neuen Werke an – vielleicht mit ihren eigenen Kindern.

Vermutet wird, dass sich das Alter so stark verändert, weil die Hauptfiguren älter wurden und ihre Fans mitwuchsen. Heute sind das genau diese Erwachsenen, die Geld für Alles ausgeben, auf dem „Harry Potter“ steht.

Auch in den neuen Zeiten des Internets, kann man seine „Pottermanie“ ausleben: neben diversen Facebook Gruppen mit Fans aus aller Welt, kann man auf www.pottermore.com dem digitalen Herz der Zauberwelt beitreten. Dort kann man seinen „Patronus“ herausfinden, den Schutzgeist in der „Potter“-Welt, der von einem Tier verkörpert wird, oder sich seinem Hogwartshaus zuordnen lassen, die im Zaubererinternat verschiedene Eigenschaften der Schüler bevorzugen.

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Zauberstäbe aus Harrys Welt

Foto: Elisa Schulz

Das Verlangen zurück in die magische Welt ist groß. Hogwarts ist unser Zuhause. Die Bücher hinterlassen ein Gefühl von Unbeschwertheit. Jeder hat und hatte schon als Kind den Wunsch etwas Besonderes zu sein, hervorzustechen, eine Gabe zu haben und damit die Welt zu verbessern oder zu retten. Harry Potter gibt uns mit jeder kleinen Neuheit und jeder Erinnerung dieses Gefühl zurück.

Und da wir als Fans immer etwas Neues aus der Harry Potter Welt und die Produzenten mehr Geld wollen, wird es auch immer neue wundervolle Dinge geben.

So wie vor einigen Tagen erst das deutsche Zauberer-Herz höher schlug: „Harry Potter und das verwunschene Kind“ wird ab 2020 in Hamburg zu sehen sein, so gaben es die Produzenten bekannt. Das preisgekrönte Theaterstück von Joanne K. Rowling und Jack Thorne läuft seit 2016 im Londoner West End und seit dem 16. März 2018 auch am New Yorker Broadway. 2019 folgen noch San Francisco und Melbourne als Spielstätten. Hamburg wird damit das erste Theater sein, das das Stück nicht in Originalsprache zeigt.

Die Geschichte, die es mittlerweile auch in Buchform gibt und in zwei Stücke unterteilt ist, setzt am letzten Roman an: 19 Jahre nach der Schlacht um Hogwarts, die Schule für Zauberei und Hexerei, ist Harry Potter Vater und verheiratet. Sein Sohn Albus Severus Potter möchte aus dem Schatten seines berühmten Vaters treten und einen Fehler von ihm beheben – dafür reist er durch die Zeit.

Auch viele andere bekannte Figuren treten wieder auf, wie z.B. Harrys mittlerweile Frau Ginny Weasley, sowie seine besten Freunde Hermine Granger und Ron Weasley.

Schon in London begeistert das Bühnenbild: Besenflüge, Zauberstabkämpfe, erscheinende und verschwindende Darsteller, Verwandlungen. Alles schon von den Filmen bekannt, aber dieses Mal nicht am Computer nachbearbeitet.

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Theater in London

Foto: Elisa Schulz

Den Traum von Hogwarts lässt der Produzent Maik Klokow in Hamburg wahr werden, so gibt es die Hamburger Morgenpost vor ein paar Tagen bekannt. Wann der Ticketverkauf startet, wird sich erst in den nächsten Wochen zeigen.

Wer nicht so lange warten möchte, kann seit 2016 die Verfilmung des Begleitwerks zu Harry Potter „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ verfolgen. Dabei ist es eine Kombination aus der Geschichte von Newt Scamander, der weltweit magische Geschöpfe erforscht und dem schwarzen Magier Gellert Grindelwald, gespielt von Jonny Depp, der schon vor Lord Voldemort versucht, die Zaubererwelt zu beherrschen. Mit diesem Film gab J. K. Rowling ihr Debüt als Drehbuchschreiberin. Auch hier werden erneut parallelen zur Realität gezogen, aber auch zu den Harry Potter Werken. Die Hauptfigur Newt Scamander, gespielt vom britischen Oscar-Preisträger Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit“), ist der Schwiegergroßvater von Luna Lovegood, einer Freundin Harry Potters.

2014 wurde schon bekannt gegeben, dass es sich bei „Phantastische Tierwesen“ um eine Filmreihe handelt.

„Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen“, der zweite Teil der Reihe, wird voraussichtlich am 16. November 2018 in den US- Amerikanischen Kinos anlaufen, in Deutschland schon diesen Donnerstag, am 15. November.

Trailer "Fantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen"

Als Vorbereitung kann man seit Oktober 2018 auch im Filmpark Babelsberg seine „Pottermanie“ befriedigen. Die etwa 1.600 Quadratmeter große, internationale Wanderausstellung „Harry Potter: The Exhibition“ wurde am Samstag, 13. Oktober 2018 in der Caligari Halle im Filmpark Babelsberg in Potsdam eröffnet. Gedacht ist die Ausstellung für alle Fans, die nicht nach Großbritannien in die Harry Potter Studios kommen können. Doch die Atmosphäre soll ähnlich sein wie im „Raum der Wünsche“. Es ist Vieles zu sehen, dass man sich bisher nur vorstellen kann. Zwischen Originalrequisiten und Rauminszenierungen findet man auch interaktive Elemente. So können die Gäste Quidditch spielen, eine magische Sportart auf Besen.

Weitere Informationen und Preise findet man auf der Internetseite der Stadt Potsdam oder auf www.harrypotterexhibition.de.

Da wahrscheinlich einige schon während des Lesens die Karten gekauft haben und wir uns nun noch einige Tage gedulden müssen, empfehle ich im Schein der Zauberstäbe das Buch von Beadle dem Barden zu lesen, ein weiteres Begleitwerk mit Märchen aus der Zauberwelt und nebenbei ein, im „Harry Potter“ – Universum beliebtes Butterbier zu genießen.

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