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Partizipation des inneren Kindes

Mit „In Many Hands“ lädt das Schauspiel Leipzig in die Residenz auf dem Spinnerei-Gelände zu einem interaktiven Wechselbad des Innenlebens ein.

Am 29. Oktober bringt die Neuseeländerin Kate McIntosh – in Kooperation mit den Performern Arantxa Martinez aus Madrid und Josh Rutter aus Berlin – das Stück „In Many Hands“ auf die Bühne.

Mit der Aufforderung, seinen Schmuck abzulegen, die Ärmel hochzukrempeln und sich doch bitte die Hände zu waschen, leitet McIntosh ihre Performance ein. Erst dann wird der Vorführungsraum gemeinsam betreten. Wie zu einem Festtagsschmaus stehen drei lange Tafeln bereit. Saubere, weiße Tischdecken erstrecken sich über deren gesamte Länge. Der Fokus der Beleuchtung liegt auf dem weißen Stoff der Tafeln, der restliche Raum ist bloß zu erahnen. Die Besucher finden sich ein und gesellen sich ganz nach Anweisung neben völlig fremde Sitznachbarn. Es folgt ein kurzes nervöses Lächeln nach links und rechts. Dann werden die Hände in die der Nachbarn gelegt. Das Publikum ist darauf vorbereitet, mehr als lediglich Zuschauer zu sein. Die Konzentration steigert sich.

Schnittstelle eines Laboratoriums, einer Spielwiese und einer sinnlichen Erfahrungsreise

Steine, nasser kalter Kaffee, Neonpulver, ein Katzenschädel, eine Vogelkralle, ein gefüllter Urinbecher, eine Ketchup-Flasche aus der es nach Verwesung stinkt. Die verschiedensten Gegenstände wandern von einer Hand zur nächsten und werden gründlich erforscht, berochen und erfühlt. Noch können die Besucher sehen was sie in der Hand halten. Das wird sich bald ändern.

Die Performance eröffnet einen Raum zur Exploration. Das innere Kind wird geweckt und beginnt mit den Dingen zu spielen und zu experimentieren. Welche Informationen habe ich über das vorliegende Objekt? Ist es glatt oder rau? Kalt oder warm? Mag ich es? Oder ekelt es mich vielleicht an? Kann ich es zerquetschen? Oder womöglich streicheln? Woran erinnert mich dieser Geruch? Und wie ergeht es wohl all den anderen?

Im Kontakt zum Äußeren tritt man in Kontakt mit sich

Dieses Spektakel vereint mehrere Dimensionen. Auf dem ersten Blick geht es vor allem um die sinnliche Wahrnehmung und darum, was diese Objekte in uns hervorrufen. Sei es das Entfachen bestimmter Emotionen oder die Erinnerung an längst Vergangenes.

Daneben spielt die psychologische Ebene eine ebenso wichtige Rolle. McIntosh versteht das Priming: Die Wahrnehmung der Gegenstände wird im Gehirn gespeichert und aktiviert bestimmte Assoziationen bei den folgenden Gegenständen. Die Reihenfolge der Objekte bewirkt eine emotionale Haltung, die in einem anderen Rahmen nicht die gleiche gewesen wäre.

Zugleich ist da dann auch noch das zwischenmenschliche Spiel. Die Sensibilität für die Objekte und die konzentrierte Stimmung überträgt sich auch auf die Verbindung zu seinen Sitznachbarn, zu seiner Tischreihe und zum ganzen Raum. Das Wissen um die gleichen Erfahrungen die gemacht werden erzeugt eine immense Situations-Komik und bewirkt zugleich den Aufbau einer Verbindung zu allen Beteiligten.

Ein absolut lohnenswerter Abend

McIntosh gelingt es, innerhalb von 80-Minuten eine wahnsinnig sensible Beziehung zwischen einem Raum voller Fremder aufzubauen. Ihre charmante Art und Weise erleuchten den Raum und erzeugen ein Gefühl der Sicherheit auf dieser Erlebnisreise. Ab und an blitzen ihre Augen beim Beobachten der Szenerie auf und man sieht, für sie ist dieser Moment ebenso intensiv und spannend wie für einen selbst.

Die Scharfsinnigkeit der Künstlerin und die Liebe zum Detail spiegeln sich in der Tiefe und Vielseitigkeit der Performance wieder. Eine sehr persönliche Reise die sich definitiv lohnt, eine Interaktion der besonderen Art und eine latente Spannung die sich bis zum Ende immer mehr zuspitzt. Jede einzelne Performance ist besonders und immer ein bisschen anders.

Weitere Spieltermine: 2.11. um 20 Uhr 
// 3.11. um 20 Uhr

Kartenreservierung unter: http://bit.ly/InManyHands

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