Sophie Weber

Hintergründe zum 17. Juni 1953 und warum Neonazis diesen Tag heutzutage in Merseburg missbrauchen.

Der 17.6.1953 ist ein denkwürdiger Tag, nicht nur für die DDR. Bereits in den Tagen zuvor kam es vor allem in Ostberlin zu Arbeiterstreiks und Protesten. Die Menschen wehrten sich unter anderem gegen bevorstehende Arbeitsleistungserhöhungen und gleichzeitige Lohnkürzungen. Innerhalb von Stunden weitete sich der Arbeiterstreik zu Protestzügen aus. Die Forderungen wurden politischer und der Unmut über Regierung und Sozialismus lauter. Der Westberliner Radiosender RIAS berichtete bereits am 15.6 über die ersten Protestzüge und die Forderung der Demonstranten nach freien Wahlen. Am 17.6 folgte dann der Aufruf zur Arbeitsniederlegung durch den DGB-Vorsitzenden. Zu finden ist dieser Beitrag im RIAS-Berlin Archiv

Die Nachricht über die Protest verbreiteten sich schnell, nicht zuletzt über die Berichterstattung im Radio. In der gesamten DDR formierten sich am 17. 6. Menschen zu Protestzügen. Die Arbeiter demonstrierten für bessere Arbeitsbedingungen, freie Wahlen und den Rücktritt der SED-Regierung. Der Tag sollte als Aufstand des 17.6. in die Geschichte eingehen. Er ist ein wichtiges Ereignis der demokratischen Entwicklung in Deutschland und war Vorbild vieler Freiheitsbewegungen.
Über sechzig Jahre später missbrauchen Neonazis diesen Tag für ihre Zwecke und versuchen ihre antidemokratischen Ziele zu verbreiten. Seit 2010 besetzt  die rechte Szene den 17.6.1953 für sich als Thema. Sie sehen sich als Ahnen derer, die damals für mehr Freiheit kämpften und sich gegen das System auflehnten. Das nationalistische „Kollektiv Mitteldeutschland“ bewirbt ihre Demoveranstaltung deshalb mit dem Slogan: „Damals wie heute – Freiheit muss erkämpft werden“. Sie sehen sich in unserer Gesellschaft als unfrei und als Widerstandskämpfer.
Auch dieses Jahr ruft das Kollektiv auf, sich am 18.6 auf dem Schotterplatz in Merseburg zu versammeln.
Auskunft über diese Neonazi-Gruppe gibt Mario Bialek. Er ist seit 10 Jahren als Fotojournalist und im Weltoffenen Saalekreis tätig. Herr Bialek recherchiert für seine Arbeit im Kontext rechter Strukturen. Dadurch ermöglicht er einen tieferen Einblick in die Szene, fotografiert und dokumentiert Veranstaltungen. Im folgendem Interviewausschnitt berichtet er über das Kollektiv Mitteldeutschland.

Um den Widerstand gegen Neonazis sichtbar zu machen, gründete sich 2012 das Bündnis gegen Rechts in Merseburg. Es besteht aus engagierten Einzelpersonen oder VertreterInnen von Institutionen, sie arbeiten überparteilich, überkonfessionell und generationsübergreifend. Ziel ist es sich gemeinsam für Demokratie und ein solidarisches Miteinander zu engagieren.

Des Weiteren geht es um eine Vernetzung der lokalen Akteure und um eine Vielfalt an friedlichen Aktionsformen. Das Bündnis gegen Rechts ruft auch dieses Jahr wieder auf zum Protest gegen Neonazis. Unter dem Motto: „Umso mehr, Merseburg stellt sich quer.“ finden bereits ab dem 14.6 verschiedene Veranstaltungen zum Thema Toleranz und gegen Rassismus statt. Höhepunkt dieser Aktionswoche wird die eigentliche Demonstration gegen Rechts am Samstag den 18.Juni sein. Die Mitglieder des Bündnisses haben verschiedene Aktionen und Bühnen angemeldet um zu zeigen, dass es keinen Raum für Nazis in Merseburg gibt.

Auch die Hochschule und die Studenten beteiligen sich an Protestaktionen. Der Stura organisiert eine angemeldete Fahrraddemo durch Merseburg, mit der versucht wird die Nazis daran zu hindern, ihre Ideologien auf den Straßen zu verbreiten.
Treffpunkte sind 12:00 am Bahnhofsvorplatz für die Kundgebungen und 12:15 auf dem Innenhof der Hochschule für die gemeinsame Abfahrt. Weitere Informationen zu geplanten Aktionen findet man unter: http://www.merseburg-gegen-rechts.de

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