Simon Naumann

Hinter dem Vorhang hört man das klatschende Publikum. Kinderstimmen lachen kreischend. Ich stehe direkt hinter dem noch verschlossenen Stoff – gleich ist mein Augenblick. Mein Herz rast schnell, ich bin angespannt und meine Gedanken kreisen sich nur um das Stichwort. Ich setze mein Lächeln auf und kaum einen Augenblick später ertönt es klar und deutlich: „un spectaculo famoso“ – der Vorhang öffnet sich, grelles Licht strahlt in mein Gesicht. Vom Publikum sehe ich fast nichts, doch ich spüre die erwartungsvollen Gesichter.

Wie viele Male dieser Moment die schon vorfreudige Spannung in mir ausgelöst hat, weiß ich nicht mehr. Doch dies sind die Höhepunkte, auf die immer wieder hingearbeitet wird, die dem Ganzen erst einen richtigen Sinn verleihen: Das Vorstellen des hundertfach Erprobten vor einem interessierten Publikum.

Immer und Immer wieder fallen die Bälle im Training zu Boden. Es gehört zum Jonglieren, wie Geschenke zu Weihnachten. Doch fühlt es sich lange nicht so gut an, es könnte einen manchmal in den Wahnsinn treiben. Den selben Ablauf immer wieder von vorne, mit den immergleichen Fehlern. So, dass man schon bald die Lust verliert. Doch dann ist dieser eine Moment, in dem es einfach „Klick“ macht. Ein Schalter legt sich um und auf einmal funktioniert der Trick von ganz alleine. Man weiß zwar nicht so genau warum, weil eigentlich macht man alles so wie immer, aber man hat ihn verstanden.

Dies ist es, was das Jonglieren so spannend und unbezahlbar macht. Und auch irgendwie schöner als Weihnachten. Die Freude über einen neuen Trick, den man gleich Freunden und Bekannten zeigen möchte, weil er so gut gelungen ist.  Und irgendwie ist Jonglieren immer auch etwas Besonderes, weil es eben so spektakulär aussieht und es nicht jeder macht, obwohl es fast jeder könnte.

So geht es Stück für Stück, Schritt für Schritt weiter. Es kommen immer mehr kleine Bewegungen und verschiedene Würfe hinzu. Die Bälle bewegen sich von außen betrachtet viel freier und insgesamt sieht das Ganze viel flüssiger aus. Das ist die großartige Seite des Jonglierens: Man hat kaum eine Einstiegshürde, da man ein paar Bälle fast nichts kosten und man direkt anfangen kann zu Jonglieren.  Zudem ist es für nahezu jeden möglich dieses Geschicklichkeitsspiel zu lernen. Es spielt eigentlich keine Rolle, ob man sehr sportlich, begabt oder koordinatorisch gut ist. Bereits nach wenigen Minuten können Fortschritte festgestellt werden. Wenn sich der Spaß entwickelt und man regelmäßig übt, so entwickelt man sich von ganz alleine. Ich behaupte, dass es für jeden möglich ist, mit ein bisschen Geduld und Ehrgeiz, erweitertes jonglieren mit verschiedenen Tricks, zu lernen.

Im Netz gibt es viele verschiedene Anleitungen und Tipps, wie das Jonglieren einfach zu erlernen ist. Wichtig zu beachten ist, dass man klein anfangen sollte. Ganz am Anfang steht der Wurf eines Balles von einer in die andere Hand. Man sollte sich vertraut machen mit dem Ball und immer hin und her werfen, die Wurfhöhe ausprobieren und sicher im Werfen und Fangen werden. Die Bewegungsabläufe müssen irgendwann ganz automatisiert passieren, sie müssen sich ins Körpergedächtnis einbrennen.

Sobald dies ohne Probleme funktioniert, kann man einen zweiten Ball hinzu nehmen und sich weiter vortasten. Dies kann man nach dem Schema „Links-Rechts-Stop“ erst einmal wiederholen, bis auch dies mühelos klappt. Tipps und Tricks für das schnelle und erfolgreiche Lernen gibt es dazu im Internet genug. Diese sollte man sich auch zu Herzen nehmen, da somit schnelle Erfolgserlebnisse garantiert sind, da sie das jonglieren noch einmal vereinfachen. Das was der Kopf verstanden hat, kann der Körper schneller umsetzen.

Für das Jonglieren sprechen außerdem die positiven Erfolge in der praktischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Hier gibt es in Deutschland mittlerweile unzählige Projekte im Bereich der Kinder- und Jugendfreizeit, welche das Potenzial Zirkuspädagogischer Arbeit erkannt haben. Hier ist zum Beispiel der Zirkus „Cabuwazi“ zu nennen, an dem ein äußerst heterogener und integrativer Ort geschaffen wurde, um vielfältige Kompetenzen in hohem Maße zu fördern. In diesem Bereich ist für alle etwas dabei und man kann in kurzer Zeit ein bühnenreifes Programm erarbeiten, welches Anerkennung und Freude verspricht.

Hinzu kommt, dass jonglieren die Gehirnleistungen erwiesener Maßen steigert. Es macht nicht nur wach, sondern nimmt auch Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit der Spielenden, da das Gehirn durchblutet wird und die beiden Gehirnhälften besser zusammenarbeiten. Außerdem wird während des Jonglierens das Protein BDNF gebildet, welches für das Wachstum neuer Gehirnzellen sorgt. Das Gehirnvolumen nimmt nach regelmäßigen Übungen nachvollziehbar zu.

Jonglieren ist somit nicht nur ein abwechslungsreicher Pausenfüller mit hohem Entwicklungspotenzial, sondern es macht auch noch Spaß und ist ganz nebenbei gesund für Körper und Geist.

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