Antrie

Am authentischen Ort, auf dem Gelände des früheren Rüstungsbetriebes HASAG, informiert die Gedenkstätte mit einer Dauerausstellung über Hintergründe und Zustände der Zwangsarbeit. Die Gedenkstätte steht außerdem als Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiter_innen zur Verfügung. Erforscht noch unbeleuchtete Aspekte des Themas, arbeitet mit Lehrer_innen und Schüler_innen in Bildungsprojekten zusammen und organisiert öffentliche Veranstaltungen zum Thema Zwangsarbeit.

Geschichtliche Hintergründe:

Zwangsarbeit am Leipziger Beispiel

Von 1939 bis 1945 wurden über 100.000 Menschen zur Zwangsarbeit nach Leipizg verschleppt.

„Fremd- und Zwangsarbeiter wurden aus verbündeten und besetzten Ländern in der Industrie, dem Bergbau, der Landwirtschaft sowie fast allen Bereichen des öffentlichen Lebens beschäftigt“ Fickenwirth/ Horn/ Kurzweg: Fremd- und Zwangsarbeit im Raum Leipzig 1939-45.

Zwangsarbeiter_innen in Leipzig bildeten einen sehr großen Anteil in den Betrieben.

Der Rüstungsbetrieb Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft (HASAG) beutete Kriegsgefangene und Konzentrationslager-Häftline aus und profitierte von der Zwangsarbeit.

In der Firma Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft wurden zur Kriegszeit hauptsächlich Munition und Waffen hergestellt. Diese hatten für den laufenden Krieg einen großen Stellenwert. Die HASAG hatte noch weitere Zweigstellen in Taucha, Altenburg, Meuselwitz, Schlieben. Der Betrieb entstand 1863 als Lampenproduktion. „Tausende Kriegsgefangene und Häftlinge der Konzentrationslager Auschwitz, Buchenwald, Sachsenhausen und Ravensbrück wurden in diesem Rüstungskonzern ausgebeutet. Außerdem arbeitete eine heute zahlenmäßig nicht mehr nachvollziehbare, große Zahl ziviler ZwangsarbeiterInnen in der HASAG. Ihnen allen jenen, die in anderen Leipziger Betrieben und Einrichtungen litten, soll mit dieser neuen Gedenkstätte ein Denkmal gesetzt werden.“ Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig: Geschichte der Gedenkstätte. Oktober 2012

Das Außenlager von Buchenwald und die Arbeiterbaracken der Zwangsarbeiter_innen befanden sich in der Permoser und Torgauer Straße, genau dort, wo sich heute die Räumlichkeiten der Gedenkstätte befinden.

Ende 1980 entstanden durch die Iniviativen einzelner Historiker_innen an der Leipziger Universität und im Stadtarchiv Studien über Zwangsarbeit ausländischer Arbeitskräfte während des Zweiten Weltkrieges. Zu dieser Zeit gab es außerhalb der historischen Forschung kein öffentliches Interesse an der Thematik. Ab 1990 änderte sich dies und die Leipziger Stadtgeschichte im NS nahm einen Platz im lokalen Gedächtnis ein. Die politische Debatte über Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeiter_innen ebnete langsam den Weg für die Thematik in der Leipziger Öffentlichkeit.

Ziele und Aufgaben der Gedenkstätte:

Mit einer Dauerausstellung über die Hintergründe und Zustände der Zwangsarbeit informiert die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig, vor allem in der Region Leipzig. Unbeleuchtete Aspekte des Themas NS-Zwangsarbeit werden in der Gedenkstätte erforscht. Öffentliche Veranstaltungen zum Thema Zwangsarbeit und Bildungsprojekte zusammen mit Lehrerinnen und Schülerinnen werden organisiert. Außerdem ist die Gedenkstätte eine Anlaufstelle für ehemalige Zwangsarbeiter_innen und deren Angehörige.

Die Aufgaben der Gedenkstätte werden in drei Ebenen unterschieden, welche sich aber nicht gänzlich trennen lassen.

Als erstes das Gedenken und Erinnern. Verwahrung der Erinnerung und Erfahrungen unterschiedlicher Personen und deren Würdigung. Die Gedenkstätte ist ein Ort der Erinnerung an die deutschen Verbrechen und an das Leid der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Sie steht als Treffpunkt und zum Erfahrungsaustausch für ehemalige Häftlinge und deren Angehörige zur Verfügung. Wir beantworten gern Anfragen nach ehemaligen Häftlingen und Zwangsarbeiter_innen.

Die zweite Ebene ist die der Forschung. „Forschen, Sammeln, Archivieren“.

Jede_r kann dort selbst forschen, wie es zum Beispiel Studenten_innen tun. Vorhanden sind museale und archivierte Sammlungen als auch eine Bibliothek. „Zu einzelnen Aspekten des Komplexes Zwangsarbeit gibt es nach wie vor Forschungslücken, an deren Schließung wir uns im Rahmen unserer Möglichkeiten beteiligen. Dazu treten wir auch in Kooperation mit Forschungseinrichtungen wie der Universität Leipzig. „

Drittens die Bildungsebene. „Informieren, Bilden, Aufklären“.

Es werden Veranstaltungen wie Filmvorführungen und Vorträge in ganz Leipzig durchgeführt. Rundgänge auf dem Gelände werden ganzjährig angeboten. Es soll jedem die Chance geboten werden, sich mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. „Vielen Menschen ist über das Thema und seinen Bezug zur Region Leipzig kaum etwas bekannt und im öffentlichen Erinnerungsdiskurs ist es unterrepräsentiert. Wir dokumentieren das Leid der Menschen im nationalsozialistischen System von systematischer Ausbeutung und “Vernichtung durch Arbeit” Gedenkstätte für Zwangsarbeit: Ziele und Aufgaben. Februar 2013

Die Gedenkstätte ist ein Ort des Erinnerns für jeden. Sie ist vonnöten, um an die Schicksale der ehemaligen Zwangsarbeiter_innen zu erinnern und um Forschung zum Thema Zwangsarbeit und Bildungsarbeit zu gewährleisten. NS-Zwangsarbeit in Leipzig war alltäglich sichtbar, die Bevölkerung wusste von den Verbrechen und zog oft einen positiven Nutzen daraus.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten sich mit dem Vergangenen auseinander zu setzten, zu verstehen, was in der Vergangenheit war und welche Bedeutung dies für die Gegenwart und Zukunft hat.

Um Feindbilder, Vorurteille und Machtverhältnisse zu hinterfragen, muss man die Ursache solcher Gedankengänge prüfen und in einen geschichtlichen Zusammenhang stellen.

Zur Thematik der Zwangsarbeit gibt es Dokumentationen, Zeitzeugengespräche, Austellungen und Archive. Doch muss Erinnerung in vielen Fällen wach gehalten werden, denn einerseits verblasst das vorhandene Wissen oder die direkt betroffene Generation stirbt.

Erinnerungsorte geben jedem einzelnen die Chance, ein kritisches Geschichtsbewusstsein aufzubauen. Fragen zu stellen und reflektierter mit der Gegenwart umzugehen, damit man nationalsozialistische Tendenzen, Rassismus und Antimemitismus vorbeugen kann.

Erinnern sollte einen Inhalt haben, dieser muss vermittelt werden, die Gedenkstätte bietet einen Ort hierfür.

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