Svenja Gröber

Ein Bewusstsein schaffen, ohne erhobenen Zeigefinger

Um das Thema „Drogen“ und Konsum kommt heute fast niemand mehr vorbei und reichlich Halbwissen kursiert in Zeiten der fortschreitenden Legalisierung von Cannabis. Wie schneidet man jedoch einen so großen Komplex an, wenn es darum geht junge Fahrschüler über Gebrauch und Folgen im Kontext von Fahrtüchtigkeit zu informieren, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen?

Seit dem 1. Januar 2016 ist an der Hochschule Merseburg das „PEER – Projekt an Fahrschulen“, unter der Leitung von Frau Prof. Dr. habil. Gundula Barsch, eingezogen.  Ein klar definierter Ansatz ebnet den Weg der Umsetzung. Das ursprünglich aus Magdeburg stammende Projekt hat zum Ziel, bei jungen FahrschülerInnen ein Verständnis für psychoaktive Substanzen und Verkehrssicherheit aufzubauen. Dabei besuchen immer zwei Freiwillige eine am Projekt teilhabende Fahrschule und gestalten eine Stunde zum Thema. An unserer Hochschule ist das Projekt Teil des Studienganges Soziale Arbeit und wird mit dessen Studenten und angeworbenen Ehrenamtlichen umgesetzt.

Doch was macht das Projekt so besonders?

Prinzipiell sollen Ehrenamtliche in einem ähnlichen Alter wie die Fahrschüler sein. Hinter diesem Prinzip steht der sogenannte „Peer-to-Peer“-Ansatz. Durch die sich gleichenden Erfahrungen, Hintergründe und Sprache, können die Teilnehmer in den Fahrschulen auf einer niedrigschwelligen Ebene erreicht werden. Bereits gesammelte Erfahrungen, Einstellungen und Überlegungen zu alternativen Handlungen, können leichter angesprochen und diskutiert werden. Die Peers werden zuvor in einer eigens angefertigten Schulung auf ihr Ehrenamt vorbereitet.

Hinzu kommt, dass der Konsum von psychoaktiven Substanzen nicht verteufelt werden soll. Es wird keine Werbung für den Konsum betrieben und die Folgen werden nicht verharmlost, doch die Jugendlichen sollen verstehen, dass es in ihrem Interesse ist über den Themenkomplex Bescheid zu wissen und ihr Verhalten fundiert reflektieren zu können. Gerade diese akzeptierende Ansicht, untermauert und gelehrt von Frau Prof. Dr. habil. Barsch, unterscheidet den Standort Merseburg von allen weiteren.

Unterstützt wird das Projekt durch das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr. Für Fahrschulen ist das Angebot gänzlich kostenlos und die EhrenamtlerInnen enthalten eine kleine Aufwandsentschädigung für jeden Einsatz.

Unterstützt durch angepasste Methoden im „Spieleformat“ können die Teilnehmer des Peer – Projektes weitaus individueller über die Thematik sprechen und die FahrschülerInnen zur Interaktion einladen. Eine häufig verwendete Methode bildet dabei das „Positionierungsspiel. Im Raum werden Zettel mit Aussagen wie „ja“, „nein“, „habe ich schon mal gemacht“ etc. verteilt. Folgend werden einige Fragen verlesen z.B. „Würdest du in den Bus nach Hause steigen, auch wenn dir auffällt, dass der Fahrer eine ziemliche Fahne hat?“. Die Fahrschüler haben dann die Möglichkeit ihre Haltung durch die von ihnen gewählte Position im Raum auszudrücken. Somit kann mit dem bereits vorhandenem Wissen der Fahrschüler gearbeitet und zugleich fachlich ergänzt werden.

Für die Zukunft sollen noch weitere Fahrschulen und Freiwillige von der Idee überzeugt werden. Auch Interessierte, die das typische Alter eines Fahrschülers von ca. 16 – 25 bereits überschritten haben, finden immer einen Platz im Projekt. Möchte man nun Teil des Teams werden, reicht es eine E-Mail an-

peer-projekt@hs-merseburg.de zu schreiben und alle weiteren Schritte über das kennenlernen des Projekts, die Schulung zum Peer, bis zur ersten eigenen Einheit, werden angeleitet.

 

Schreibe einen Kommentar