Kaatje Boveland

#Januhairy, eine Rückkehr zur Natürlichkeit, Makeover von Disney Prinzessinen und der Verzicht auf Photoshop bei H&M, Zara und Co.. Das sind Beispiele, wie sich „Body Positivity“ im Alltag bemerkbar macht.

Im Januar haben sich Frauen einen Monat lang nicht rasiert und mit dem #Januhairy, Fotos von ihrem Haarwuchs auf Instagram geteilt. Initiiert wurde diese Aktion von der Studentin Laura Jackson aus England, die für ein Theaterstück aufhören musste, sich zu rasieren und dabei neue Erfahrungen gemacht hat. Sie schrieb:

„Nach ein paar Wochen gewöhnte ich mich daran. Ich begann, meine natürliche Behaarung zu mögen. Obwohl ich mich befreit und selbstbewusster fühlte, konnten manche Menschen um mich herum nicht verstehen, warum ich mich nicht rasiere“. (Laura Jackson)

Damit sich mehr Frauen trauen, es auch mal mit natürlicher Körperbehaarung zu versuchen, postete die Britin unter dem #Januhairy, ein Foto, auf dem sie ihre Achselhaare selbstbewusst der Kamera präsentiert. Mittlerweile gibt es um die 6000 Beiträge in denen Frauen ihrem Beispiel folgen. Mit diesem Schritt sprengen die Frauen Tabus.

Diese Aktion ist Teil der Body-Positive-Bewegung. Es geht darum, seinen eigenen Körper mit allen Makeln zu akzeptieren und sich wohl zu fühlen. Man muss seinen Körper deshalb nicht gleich lieben, aber auch nicht hassen. Ziel ist es, sich nicht mehr den in der Gesellschaft verankerten Schönheitsidealen zu unterwerfen. Das heißt nicht, dass sich alle Frauen nicht mehr rasieren sollen und damit ein neues Ideal aufgezwungen wird, sondern es jedem selbst überlassen ist, mit seinem Körper im Einklang zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen sind Body Positivity Aktivistinnen als Vorreiterrinnen wichtig, genauso aber jeder Einzelne.

Eine Vorreiterin der Bewegung ist die Künstlerin und Illustratorin Neoqlassical Art, die auf Instagram Disney Prinzessinnen, wie Arielle die Meerjungfrau mit Fettpölsterchen, Rapunzel im Plus-size Kleid und Pocohantas mit fülligen Oberschenkeln überarbeitet hat. Damit will sie ein Zeichen für Körperdiversität in Filmen, besonders bei Disney setzen. In den meisten Filmen kommen fülligere Charaktere kaum vor oder spielen stets die Bösen, Lustigen oder Verzweifelten, die schlank sein möchten und sich vom hässlichen Entlein in einen schönen Schwan verwandeln. Gerade diese typischen Rollenbilder möchte die Künstlerin mit ihren Illustrationen infrage stellen. Gerade Disney Charaktere sind in der Kindheit kaum wegzudenken und können sehr prägen, weshalb sich gängige Schönheitsideale schon früh in den Köpfen verankern. Auch Neoqlassical Art hat mit ihrer Aktion einen Beitrag geleistet, Body Positivity zu stärken und Schönheit neu zu definieren: nämlich divers.

„It’s because of art and people like this that we’re growing as a society and realizing that beauty comes in so many different forms“. (Neoqlassical Art)

Diversität ist auch das neue Motto von H&M und Zara. Die Models wirken natürlich, tragen kaum Schminke und haben nicht alle Größe 34. Die Modelabels verzichten nach eigenen Angaben seit Sommer 2018 auf besondere Photoshopbearbeitung und lichteten jeden kleinsten Makel ab. Dennoch sehen die Models nahezu perfekt aus und für die angeblichen Mäkel bräuchte man eine Lupe, aber ein kleiner Funke der Body-Positive-Bewegung ist auch bei den großen Labels übergesprungen.

Die britische Fotografin Sophie Harris-Taylor nahm im Sommer 2018 bei ihrem Fotoprojekt Epidermis Frauen mit verschiedenen Hautkrankheiten ungeschminkt auf. Einige haben recht starke Hautirritationen, einige eher weniger, doch jedes Porträt wirkt auf seine Weise eindrucksvoll. In den Medien werden Hautunreinheiten kaum thematisiert und der Druck makellose und perfekte Haut zu haben ist groß. Die Fotografin möchte dar legen, dass unsere Schönheitsideale nur ein Konstrukt sind, welche festlegen was schön und normal ist. Sie selbst macht deutlich, dass auch Imperfektion schön ist.

“I wanted to create a series of work that empowers and allows women to love the skin they’re in regardless of what condition they have“. (Sophie Harris-Taylor)

Die #Januhairy Aktivistin, die Künstlerin Neoqlassical Art und die Fotografin Sophie Harris-Taylor setzen mit ihren Aktionen Akzente für Body Positivity. Allerdings kann man infrage stellen, warum viele Body Positivity Aktivistinnen Bilder von ihren Körpern posten und damit um Likes und Anerkennung buhlen, obwohl es darum gehen sollte, sich selbst wohl zu fühlen. Dennoch kann die Body Positive Bewegung andere Frauen bestärken und ermutigen.

Wir haben uns mal bei euch umgehört und nachgefragt, was für euch Schönheit bedeutet und wie zufrieden ihr mit euren Körpern seid. Hier ein paar Einblicke:

Hier die Links zu den Aktionen:

#Januhairy Instagram Beiträgen: https://www.instagram.com/explore/tags/januhairy/?hl=de

Disney Prinzessinen von Neoqlassical Art: https://www.instagram.com/neoqlassicalart/?hl=de

Epidermis Fotoprojekt Sophie Harris-Taylor: https://www.sophieharristaylor.com/Epidermis

https://www.itsnicethat.com/articles/sophie-harris-taylor-epidermis-photography-080518

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