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Das Pendlerdasein – eine Satire

Das Pendlerdasein – wie die Evolution auf mich zukam

Aufstehen! Die Voodoo-Uhr hat wieder zugeschlagen, sechs Uhr? Schleife meinen müden Körper zur Kaffeemaschine. Der Voodoo-Wecker klingelt im Wiederholungsmodus ungerührt erneut – muss das Ding ausstellen – sonst bringt es mich um. Der Kaffeeautomat knurrt zustimmend. Beginne, mit meiner Existenz zu kooperieren und werde zum aufrechtstehenden Humanoiden. Betrachte die Wanduhr, sie präferiert zehn nach sieben. Verlasse in panischer Zeitangst das Haus, ach was, blankes Entsetzen treibt mich an – Bahn verpasst. Ich meine, dass der Fahrer im Vorbeifahren fröhlich winkend grüßt. Sehr sozial. Dann umsteigen, der Busfahrer reagiert mit mürrischer Ignoranz, als ich versuche, eine überteuerte Fahrkarte für eine Stunde zu erwerben, die mich ganze 14 min begleitet. Soll zum Automaten. Wanke in dem schaukelnden Gefährt zur Fahrkarten-Quelle – defekt. Jemand deklariert absurder Weise: “Der is dahin.“ Recherchiere die gegenwärtige Zeit, halb acht. – Muss schnell fahren! Erwische rennend die Folgebahn – Kontrolleur. Erkläre meine missliche Lage und den tragischen Automatentot. Der Kontrolleur zeigt Mitleid und deklariert: „Macht 60,00 €.“ Eile, nun in Begleitung des Kontrolleurs, zu Fuß die letzten drei Haltestellen bis zum Hauptbahnhof. Schreie ihm meine Personalien zu. Nach 7 min geteilter Lebenszeit, bevor ich in den Home-Express einsteige, ruft er lächelnd: “Sehn uns Morgen, dann mit Karte.“ Was´n Netter – denke ich und beweise unterdessen dem HOME-Fahrer die Tropfsicherheit meines Kaffebechers. Setze mich auf die gemütlichen Reisebus-Sitze.

Auf meinem Schoß ein herrlich altes Buch, es verbreitet muffigen Bibliotheksgeruch. Wenn ich die Seiten umblättere, zerstreut sich der Staub in winzige Partikel. Mein Sitznachbar murmelt erbost:“eBock“. Übers Lesen träume ich weg. Erwache vor dem Campusgebäude, dank dem Schnarchen meines Nebensitzers. Wecke ihn, mich bedankend und suche das Kaffee auf, nachtanken, bis zu Seminarbeginn 9.15 Uhr ist´s noch eine viertel Stunde. Bedauere mich selber vorausschauend für Morgen – da hab ich zum ersten Block, also 7:30 Uhr.

Der Rückweg

Nach überstandenem Tag fahre ich mit den örtlichen Bussen heim, da der Home-Express meine Unterrichtszeiten nicht wahrhaben will. Meine Nerven liegen blank. Aller Sekunde spüre ich ein leichtes Beben im limbischen System, Nervenzellen platzen, implodieren regelrecht aufgrund der permanenten lautstarken Gespräche im Bus. Nicht alle haben zusammenhängende Sitzplätze bekommen, sodass sich die Gespräche temperamentvoll über ganze Sitzreihen erstrecken. Eine Druckwelle, die permanent gegen meinen Schädel stößt.

Nova Eventis – der Platz wird knapper, die Atmosphäre wird von Kaufrausch-Frauen beherrscht. Es wird lauter, der Sauerstoffgehalt geringer. IKEA – ein junges Paar steigt mit mehreren Paketen zu. Zumindest kommt durch die unfreiwillige Pause – die entsteht, als die Beiden ein Möbelstück mit 1,20 m Länge im Fahrbereich hin und herschieben – ein Luftstoß herein! Später steigen zwei Frauen mit Kinderwagen zu. Mein Kopf dröhnt, die Kleinkinder weinen herrlich kakophon. Der Hauptbahnhof wird sichtbar, mache mich bereit zum Aussteigen. Geht nicht – muss warten, bis das Pärchen sein Regal von meiner Tasche hievt. Direkt mit dem Ausstieg schlafen die Kinder ein, der Rest verlässt höflich schweigend den Bus – welch Paradoxon. Jetzt nur noch einmal umsteigen und nach fast 2½ Stunden liege ich auf meiner Couch. Stelle den Voodoo-Wecker für einen neuen Tag.

Pendeln ist eine echte Evolution!

Hier einer der das versteht:
Zum Abschluss: Ein Fragebogen von und für Dauerpendler. Teile dein Stresserleben!

			

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