Tabitha Epp

Über die Initiative foodsharing und wie man selbst Foodsaver*in wird

Die Ausmaße der Lebensmittelverschwendung in Deutschland sind so enorm, dass man sich unter den Zahlen nur schwer etwas vorstellen kann: Laut dem Umweltbundesamt entstehen im Außer-Haus-Verzehr circa 1,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle, im Handel circa 550.000 Tonnen und in der Industrie rund 1,85 Tonnen. Fast ein Drittel der produzierten Lebensmittel landen in der Tonne und in deutschen Haushalten wird jedes achte Lebensmittel weggeworfen.

Das ist absurd, wenn man bedenkt, dass weltweit etwa 800 Millionen Menschen unter Hunger leiden. Auch die Umwelt leidet unter dem achtlosen Umgang mit Lebensmitteln: es werden unnötig Treibhausgase ausgestoßen, landwirtschaftliche Fläche genutzt und Wasser verschwendet. Für die Herstellung und den Transport wird Energie gebraucht, Dünger und Pflanzenschutzmittel belasten Böden und Wasser.

Eine Initiative, die sich gegen genau diese Verschwendung engagiert, ist foodsharing. Es geht um die Verteilung von überschüssigen Lebensmitteln, sowohl aus privaten Haushalten als auch aus kleinen und großen Betrieben.

„Darüber hinaus verstehen wir uns als bildungspolitische Bewegung und fühlen uns nachhaltigen Umwelt- und Konsumzielen verpflichtet. Wir setzen uns unter anderem für einen Wegwerfstopp und gegen den Verpackungswahnsinn der Supermärkte ein. Mit diesen und anderen Themen sind wir auf Veranstaltungen oder in Medien präsent und starten eigene Aktionen.“

www.foodsharing.de

Seit der Gründung im Jahre 2012 konnte foodsharing immer mehr Mitglieder für sich gewinnen: Über die Website organisieren sich mittlerweile rund 40.000 ehrenamtliche Foodsaver*innen, die Lebensmittel von Händlern abholen und dieses weiter verteilen bzw. selbst verwerten. Dabei ist egal, wo das gerettete Essen letztendlich landet – die Hauptsache ist, es vor der Tonne zu retten. Mitmachen kann jede*r.

Wie funktioniert foodsharing?

Neben dem Lebensmittelretten gibt es noch zahlreiche andere Möglichkeiten sich innerhalb der Initiative zu engagieren. So gibt es beispielsweise diverse Arbeitsgruppen wie Öffentlichkeitsarbeit, Bildung oder Social Media. Dort kann man sich unkompliziert einbringen und z.B. einen Stand auf einem Stadtfest oder Festival mitbetreuen.

Hat man insgesamt schon etwas Erfahrung gesammelt und Lust auf mehr Verantwortung, dann kann man als Betriebsverantwortliche*r für die Kooperation mit einem oder mehreren Betrieben zuständig sein. Als Botschafter*in leitet man einen ganzen Bezirk und ist für diverse organisatorische Aufgaben zuständig, die man sich meist mit anderem Botschafter*innen teilt.

…und wie werde ich nun Foodsaver*in?

Als Erstes registrierst du dich auf der Homepage www.foodsharing.de und erstellst dein eigenes Profil mit einigen Angaben zu deiner Person und einem Foto. Anschließend kannst du das Quiz für Foodsaver*innen absolvieren. Bei dem Quiz geht es darum, dass du den Grundgedanken von foodsharing verstanden hast und wie du typische Situationen bei den Abholungen händelst. Davor (oder auch währenddessen) kannst du dich im foodsharing-Wiki nochmal genauer belesen.

Hast du das Quiz bestanden, so kannst du auch schon mit deinen Probeabholungen starten: Dafür trittst du in die Teams der Betriebe ein, die dich interessieren. Es macht dabei Sinn, Betriebe auszuwählen, bei denen du dir auch vorstellen kannst in Zukunft weiterhin abzuholen. Bedenke, dass Einführungsabholungen nur mit Betriebsverantwortlichen möglich sind. Wenn du nach diesen drei Abholungen genug „foodsharing-Praxis-Luft“ geschnuppert hast erhältst du deinen Ausweis und kannst von nun an selbstständig abholen.

Ob Petersilie, Nektarinen oder Birnen – man weiß vorher nie, was man bekommt

Ein kleines Beispiel-Szenario, damit man sich die Sache besser vorstellen kann: Auf der Homepage siehst du, dass bei einem Betrieb in deiner Nähe für den morgigen Tag noch ein Abholslot frei ist. Du hast Zeit und Lust, also trägst du dich ein, wirst bestätigt und gehst am nächsten Tag zur festgelegten Uhrzeit zum Geschäft und holst die Lebensmittel ab. Bei Obst und Gemüse macht es Sinn, die Sachen vor Ort zu sortieren, da natürlich nicht immer alles noch genießbar ist.

Nun kannst du selbst entscheiden, was mit dem geretteten Essen passiert – Möglichkeiten gibt es viele und sind abhängig von der Menge: Wenn du denkst, dass du alles verwerten kannst, spricht nichts dagegen alles mit zu dir nach Hause zu nehmen. Ist es doch zu viel oder du willst nichts davon, dann kannst du es z.B. an Familie, Nachbarn oder Freund*innen verteilen oder es zu einer Verteil-Station, einem sogenannten „Fairteiler“ bringen. Auf der Homepage gibt es auch die Möglichkeit Essenskörbe zu erstellen, wo du beschreibst was du abgeben willst und sich andere Mitglieder daraufhin bei dir melden, um die Dinge abzuholen.

Ein typischer Fahrrad-Fairteiler

„Teile Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen.“

Motto von foodsharing

Also falls du Lust bekommen hast mit zu machen, dann lass dich von dem kleinen Quiz nicht abschrecken und melde dich an! Du verpflichtest dich zu nichts – du entscheidest selbst, wie oft und wann du abholen möchtest. Fröhliches Lebensmittelretten!

 

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