Lucie Bader

Das Internet und die sozialen Netzwerke bieten eine breite Vielfalt von Möglichkeiten an. Um die Welt chatten, fix ein neues Kochrezept googeln oder den neusten Disney-Film online streamen. Alles geht mit einem Mausklick. Doch jeder neue Fortschritt birgt auch Gefahren. Fake News, Identitätsdiebstahl und nicht zuletzt Cybermobbing sind Probleme des 21. Jahrhunderts, die es aufzuhalten gilt.

Cybermobbing

Unter Cybermobbing versteht man die Nutzung moderner Kommunikationsmittel, um anderen Menschen zu Schaden. Das Cybermobbing kann in verschiedenen Formen und Ausprägungen, wie Beleidigungen, übler Nachrede oder Bloßstellung auftreten. Soziale Medien wie Facebook,  WhatsApp oder Instagram begünstigen das Mobbing im Netz. Auffällig ist, dass gehäuft auch Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 – 19 Jahren mit Cybermobbing in Kontakt kommen. So geben laut aktueller JIM-Studie ein Drittel der Jugendlichen an, schon einmal Cybermobbing mitbekommen zu haben.

Anonymität und Kontrollverlust

Fast jeder deutsche Haushalt besitzt mindestens ein internetfähiges Endgerät. Somit hat jeder die Möglichkeit permanent online zu sein, Text- und Bildnachrichten zu empfangen oder zu verschicken. 97 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 12 – 19 Jahren besitzen ein eigenes Smartphone. Die beliebtesten Plattformen sind YouTube, WhatsApp und Instagram. Die Kinder der Generation Z sind im Gegenteil zu ihren Eltern Digital Natives. Viele Eltern kommen mit dem reichhaltigen Angebot im Netz nicht klar und verlieren dadurch die Kontrolle über die Aktivitäten ihrer Kinder im Netz. Dabei ist es sehr wichtig, vor allem in der heutigen Zeit, Kinder über die Risiken im Netz aufzuklären und ein vertrauensvoller Ansprechpartner zu sein.

Das Internet bietet viele Rückzugsorte. Oftmals fällt es Personen leichter, Probleme online anzusprechen, als sie von Angesicht zu Angesicht klären zu müssen. Das Netz bietet mit seiner stetig wachsenden Anzahl virtueller Kommunikationsräume, unzählige Möglichkeiten anonym mit Leuten in Kontakt zu treten. Mit einem Mausklick kann ein neues Profil auf Facebook oder anderen Plattformen erstellt werden. Dabei kann jeder hinter eine Online-Maske schlüpfen, ohne persönliche Daten preisgeben zu müssen. Diese Anonymität beflügelt aber auch Cybermobber. Es ist sehr viel leichter, Hassnachrichten online zu schreiben, als seinem Opfer Gemeinheiten persönlich ins Gesicht zu sagen. Auch peinliche Bilder oder Videos von Bekannten werden verschickt, ohne über die Gefühle der betreffenden Person nachzudenken. Durch die fehlende physische Präsenz des Opfers sinkt die Hemmschwelle der Mobber deutlich. Das Mitgefühl der Täter gegenüber dem Opfer ist kaum vorhanden.

Motive

Motive für Cybermobbing können vielfältig sein. Neben Anonymität sind Aggressionsabbau, Rache, Neid, Eifersucht oder der pure Spaß am Mobben die häufigsten Ursachen für Mobbing.

Menschen, die im realen Leben mobben, könne früher oder später ein Gefühl von Langeweile verspüren. Wenn das Mobben zum Alltag wird, suchen sie sich eine andere Form der Bloßstellung. Über Shitstorms, private Nachrichten oder Fotomontagen wird das Opfer vom Cybermobber bloßgestellt. Oftmals steht das Opfer einer Gruppe von Cybermobbern gegenüber. Ein gutes Beispiel dafür ist die Plattform YouTube. Sowohl Missverständnisse als auch kritische Themen stacheln die Internet Community an,  ihren Frust in beleidigende Kommentare loszuwerden.  Einen weiteren Kick kann auch der Wettbewerb untereinander darstellen. Ganz im Sinne von: Wer schießt das peinlichste Foto eines Mitschülers/ Kommilitonen? Wer kann die meisten Likes auf seinen bösen Kommentar bekommen?

Auch Rache kann ein Motiv für Cybermobbing sein. Nicht selten sehen Opfer von Mobbing beispielsweise in Cybermobbing eine Möglichkeit, ihrem Täter anonym die fiesen Aktionen heimzuzahlen. Die Betroffenen tauschen die Rollen, unabhängig von körperlicher Überlegenheit und sozialen Status kann gemobbt werden. Jeder fünfte Täter war selbst schon einmal Opfer von Cybermobbing.

Hilfe für Betroffene

Doch was kann man selbst aktiv gegen Cybermobbing tun? Wichtig ist, niemand sollte alleine mit Cybermobbing umgehen müssen. Betroffene sollten sich immer Freunden, Familie oder auch Lehrenden anvertrauen, um schnellstmöglich aktiv gegen das Mobbing vorzugehen. Kinder sind ihren Eltern im Umgang mit Medien oft weit voraus. Doch gerade Elternteile sollten als vertrauensvolle Ansprechpartner fungieren und den Medienkonsum ihrer Kinder anfangs steuern und kontrollieren. Soziale Netzwerke sollten erst selbstständig besucht werden, wenn die Kinder reif genug dafür sind. Verschiedene Initiativen (z.B. Bündnis gegen Cybermobbing) beschäftigen sich aktiven mit dem Thema Cybermobbing und bieten professionelle Hilfe für Betroffene an.

Des weiteren muss langfristig gesehen ein größerer Fokus auf die Medienkompetenz gelegt werden. Medienpädagogen sind in der heutigen, vernetzten Gesellschaft zum wichtigen Bestandteil geworden. Sie müssen sowohl in schulischen als auch in außerschulischen Kontext eingesetzt werden, um zu sensibilisieren und ein Medienbewusstsein zu schaffen.

Cybermobbing geht uns alle an. Man kann schnell ungewollt sowohl zum Opfer aber auch zum Täter werden. Daher ist essenziell, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und ein globales Bewusstsein zu schaffen.

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