Antrie

Im dritten Semester Kultur-& Medienpädagogik fand dieses Wintersemester ein Seminar zum Thema Lochkamera  [Camera Obscura-Historische Plätze, Gebäude und Stadtansichten mit der Lochkamera gesehen (05.10. – 22.10.2015)] statt.

In den Veranstaltungen beschäftigten wir uns mit einer besonderen Form des Fotografierens.

Jede*r Teilnehmer*in baute unter Anleitung eine Lochkamera. Mit Hilfe der Bastelanleitung und Schablonen, konnten die einzelnen Teile nach gefertigt werden und am Ende entstand aus den Materialien Pappe, Plastikfolie, Blech, Klebeband und alten Filmrollen ein persönliches Exemplar. Nachdem die Kamera einsatzbereit war, setzten wir analoge Filme ein und durften selbstständig Motive auswählen. Diese Fotografien wurden dann mit Herrn Tiltmann in der Fotowerkstatt entwickelt und vergrößert. Es folgt eine Anleitung des Prozesses um es zu Hause noch einmal nachzuvollziehen. Zu allererst benötigst du eine Bastelvorlagen für deine Pinhole camera. Davon gibt es verschiedene Modelle. Wenn du das fertiggestellt hast, geht es los!

Fotografieren und experimentieren:

Die Kamera wurde lichtdicht verschlossen und der Rollfilm wurde eingelegt. Stellte deine Kamera auf einen ebenen Untergrund. Das verhindert, dass sich die Kamera bei längeren Belichtungszeiten bewegt. Ganz wichtig ist, dass du dir bei der Belichtung genügend Zeit nimmst. Es kam mir anfangs viel zu lang vor, es reichte jedoch noch lange nicht aus. Damit das Foto am Ende nicht komplett überbelichtet (schwarz) oder Unterbelichtet (weiß) ist, sondern darauf tatsächlich etwas zu sehen ist, braucht es die korrekte Belichtungszeit. Für diejenigen von euch, die es möglichst exakt haben wollen: Um die richtige Belichtungszeit zu berechnen, benötigst du zunächst die Blende deiner Lochkamera. Diese kann durch eine einfache Rechnung ermittelt werden: Abstand zwischen Loch und dem lichtempfindlichen Material geteilt durch den Durchmesser des Lochs (beides in Millimeter). Bei unserer CUT-Kamera zum Beispiel: 25 mm (Abstand zwischen Loch und Film) / 0,184 mm (Lochgröße) = ~135 (Blende). Zur Berechnung der Belichtungszeit: Diese ergibt sich aus der Kombination aus Blende und Film/Fotopapier. Wichtig ist dabei der ISO oder ASA-Wert, der bei handelsüblichen Filmen meist zwischen 100 und 800 liegt. Hierfür lohnt sich ein Blick auf eine Belichtungstabelle. Wie hier für einen Film mit dem ISO Wert 200. Experimentiere mit verschiedenen Motiven und Belichtungszeiten und du wirst erstaunliche Ergebnisse aus deiner Lochkamera zaubern.Also los geht’s! Alle 12 Bilder des Mittelformatfilms wurden belichtet. Nun willst du sicherlich wissen wie deine Bilder geworden sind.

Entwicklung des Negativs:

Auch die Entwicklung kannst du selbst durchführen. Dafür benötigst du: – Rotes Licht oder noch besser: eine Dunkelkammer – eine Entwickelndes mit passender Spule – Entwicklerflüssigkeit – Fixierbad – Messbecher – ein Thermometer – Wasser – Stoppuhr – Filmklammern (Wäscheklammern würden auch funktionieren) – Wäscheleine – Netzmittel … es wird ernst und dunkel: Leg dir die Spule griffbereit und überlege wie du den Klebestreifen deiner Pinholecamera am besten lösen kannst. Wenn alle Vorbereitungen getroffen sind, gehts in die Dunkelkammer. Achte darauf, dass wirklich kein Lichtstrahl mir zu sehen ist. Das kann den Film beeinflussen. Manchmal ist dies ja auch gewünscht, davon gehen wir erst einmal nicht aus. Baue den Rollfilm aus deiner Pinnholekamera aus und ziehe diesen auf die Entwicklerspule auf. Auf eine schmale Schiene zwischen den sogenannten „Nasen“ findet dein Film Platz und solle fest einsetzt werden. Dazu kann auch eine Pinzette zur Hilfe genommen werden und du solltest dies sehr gewissenhaft und vorsichtig machen. Ist der Film auf der Spule wird dieser in die Entwickelndes eingesetzt. Ist alles lichtdicht verschlossen, kann der Raum wieder erhellt werden.

Nun zum alchemistischen Teil:

Wir haben jetzt also unsere Dose mit dem Film, eine Flasche mit Entwicklerlösung und eine Flasche mit Fixierer. Wie lang der Film in der Entwicklerlösung bleiben muss kommt auf die ISO Zahl und deine ungefähren Belichtungszeiten an. (Hierfür empfiehlt sich ein Blick ins Internet. Die genauen Mischverhältnisse sind Geschmacksache. Darauf soll in diesem Bericht nicht eingegangen werden.

Gemäß Zeit und Temperaturangaben geben darüber die jeweiligen Hersteller Auskunft. Die Entwicklerflüssigkeit muss auf 20Grad Celsius gebracht werden. Sobald diese in die Dose gefüllt wurde, startest du die Stoppuhr. Die Zeit dafür entnimmst du ebenfalls beim Hersteller deines Filmes. In der ersten Minute die Dose wenden und klopfen, damit alle Luftblasen aufsteigen und keine Abdrücke auf dem Negativ hinterlassen. Danach empfiehlt es sich ca. alle 30 Sekunden dieses Prozedere durchzuführen. Den Entwickler zügig in einen Vorhergesehenen Behälter zurückgeben. Gießt du die Entwicklerlösung zu langsam in die Dose, dann ist die eine Hälfte des Films schon in Aktion während die andere noch schlummert. Um den Entwicklungsprozess zu unterbrechen, normales Wasser durchlaufen lassen. Nach kurzer Zeit wieder hinausschießen und den Fixierer hineingeben. Zu Beginn die Entwicklungsdose bewegen, damit der Fixierer gut verteilt wird. Es gibt keine vorgeschriebene Zeit die dieser einwirken muss. Nach 5- 7 Minuten wieder zurückließen. Die Dose kann nun auch geöffnet werden und muss (am besten unter fließendem Wasser, geht auch in einem Wassereimer) gewässert werden. Diese Prozedur gründlich durchführen. Der Film sollte 10- 20 Minuten im Wasserbad liegen und mit dem Netzmittel überzogen werden. Mit Film- bzw. Wäscheklammern am besten staubfrei zum trocknen aufhängen. Der Fixierer kann mehrfach verwendet werden. Beim Entwickler kommt es auf die Verdünnung an.

Vergrößerungprozess:

Dafür benötigt man ein Vergrößerungs-Apparat, die richtige Belichtungszeit und natürlich das passende Fotopapier. Da ein Vergrößerungs-Apparat und auch die weiteren Materialien für die Bildentwicklung meist im normalen Haushalt nicht zu finden sind, solltest du für diesen Schritt ein Fotolabor/Werkstatt aufsuchen. Das Negativ positionierst du wie dein gewünschter Bildausschnitt sein soll. Die bestmögliche Belichtungszeit des Negativs wird durch Test ermittelt. Belichte zunächst ein paar Proben, (kleine Streifen deines Fotopapiers) um heraus zu finden, welches Exemplar deinem gewünschten Endprodukt am nächsten kommt. Dabei ist es wichtig die Gradationsstufen zu beachten und ein angemessenes Fotopapier bereit zu legen. Bevor das Bild belichtet wird, muss geprüft werden ob die Blende richtig eingestellt ist und das Bild die gewollte schärfe hat. Die möglichen Gradationen sind abhängig vom Fotopapier und je nach erzielten Endprodukt auszuwählen. Dafür gibt es zum Beispiel Tabellen von Ilford Multigrad um nicht einfach nur zu mutmaßen. Ein wichtiger Punkt ist die Auswahl der Oberfläche des Fotopapiers, denn diese wirkt sich auf die Tonwertwiedergabe aus und sollte den gewünschten Effekt haben. Die Entscheidung welches Format und Fotopapier genutzt wird ist eine Persönliche, da es die unterschiedlichsten Zusammenstellungen zu kaufen gibt. Hier kann zwischen Hochglanz oder bzw Matten Bildoberfläche entschieden werden. Um den gewünschten Effekt anzuwenden, können die Farbmodelle (CMYK-Farbmodell ) definiert werden und die drei Farbbestandteile Cyan, Magenta, Yellow und Key (Farbtiefe) abgestimmt werden um ein passendes Mischverhältnis zu bekommen Die Skala liegt hier zwischen 0-100% (Unbedruckt-Volltonfläche). Das Modell ist Standardfarbmodell der Drucktechnik für den Vierfarbdruck. Beim Schwarz-Weissfilm werden die Bestandteile anders in Beziehung gesetzt. Hier müssen die Graustufen beachtet werden und mit Filtern gearbeitet werden, da zB. Rot und Grün meistens die gleiche Helligkeit ausweisen und der Unterschied der Farben nicht deutlich wird. Das Verhältnis von Kontrast und Helligkeit ist hier maßgebend. Je nach Negativ können durch abwedeln und Nachbelichten Details betont, entfernt oder geschwächt werden. So kann durch Veränderung ein anderer Eindruck/Bildausschnitt mit mehr oder weniger Schatten und Lichtpartien erzielt werden. Sobald das Fotopapier belichtet wurde muss dies natürlich auch noch entwickelt werden. Am Besten eignet sich hierfür ein Entwicklungsautomat, wie er im Fotolabor der HS Merseburg steht. Eine Entwicklung damit ist gleichmäßig und vergleichsweise zeitsparend. Für alle die ihr eigenes Entwicklungsbad benutzen wollen sollten sich dafür noch einmal unabhängig über die Mischverhältnisse informieren.

[BA KMP: Modul 3/4.4 Corparate Design, Fotografie, Ausstellungswesen Künstlerische Produktion I Dozent: Thomas Tiltmann Studentinnen: Susanne Lechner; Rahel Antrie ]

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