Simon Naumann

Die Konzentration ist hoch. Der Körper angespannt. Kleinste Bewegungen im Fokus. Stein für Stein arbeite ich mich die Route entlang. Setze den Fuß auf seine Spitze, übe Druck auf ihn aus. Nun schiebe ich mich langsam seitwärts, fixiere den kleinen Griff schräg über mir und atme schlagartig aus. Im Bruchteil einer Sekunde schnellt mein Körper nach oben, die Finger schließen sich. Sie halten – fest! Alles ist im Nu wieder angespannt. Die Zähne beißen zusammen. Die Augen schließen sich. Ich bin komplett bei mir.

So geht es Training für Training dutzende Male. Es fühlt sich gut an. Der Ehrgeiz packt mich, auch schwierigste Routen zu probieren. Den Körper in verschiedenste Positionen zu bringen, alles zu bewegen und dabei doch total ruhig zu sein. Wenn es einmal nicht klappt, wird eine andere Technik oder Stellung ausprobiert, mit Freunden beratschlagt und versucht eine Lösung zu finden.

Bouldern – Das ist das Klettern in der Halle oder am natürlichen Felsen „ohne“ Sicherung. Dafür steigt man nie über eine Absprunghöhe hinauf, von der man verletzungsfrei auf einem „Crashpad“ – einer speziellen Turnmatte für das sichere Absteigen beim bouldern – landen kann. Der Sport erfreut sich gerade in Deutschland immer höherer Beliebtheit. So gab es 1989 laut dem deutschen Alpenverein (DAV) gerade einmal 20 Kletterhallen, so waren es 2015 bereits 440. Mittlerweile dürften noch einige dazu gekommen, oder zumindest ausgebaut worden sein. Es ist gerade die niedrige Einstiegshürde, die es immer mehr Menschen ermöglicht an diesem Sport teilzunehmen. Es braucht nur ein paar Kletterschuhe, die man sich auch in jeder Kletterhalle ausleihen kann, und schon geht’s los.

Hinzu kommt, dass es Routen in allen erdenklichen Schwierigkeitsstufen gibt, also Anfänger, Fortgeschrittene und Profis nebeneinander, und dadurch auch miteinander trainieren können. Man kann mit seinen Freunden gehen, ohne eine schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil diese vielleicht schon besser sind, weil es immer jemanden gibt die/der auf dem gleichen Niveau klettert und mit der/dem man sich austauschen kann. Außerdem ist da immer etwas, dass man sich abschauen oder weitergeben kann. Es ist dadurch eine hoch inklusive Sportart gegeben, welche jede/n herausfordert, sowie an die eigenen Grenzen bringt, an welche man sich im eigenen Tempo herantasten kann. Damit ist es aber nicht getan, denn es werden neue Lösungsstrategien entwickelt und Grenzen von gestern sind heute neue Herausforderungen.

Ein weiterer spannender Punkt beim Bouldern ist die Vielfalt der Strecken, bei denen unterschiedliche Voraussetzungen, etwa körperlicher Natur, von Vor- oder Nachteil sein können. Da Spielt einmal die Spannweite eine Rolle, dann eher die Kraft und an anderer Stelle wieder die Balance. Gewiss ist vor allem, dass man nicht den gestählten Superman Körper haben muss, um am Bouldern Spaß zu entwickeln. Regelmäßiges Training genügt erst einmal um den Körper an die Bewegungsabläufe zu gewöhnen und um ein Gespür für die eigenen Stärken zu gewinnen. Die erklommene Route, welche noch vor ein paar Wochen unbezwingbar schien, ist oft Preis und Bestätigung genug. Eigenen Kletterschuhe, welche sich dem Fuß mit der Zeit angepasst haben unterstützen das Erlebnis. Schon bald kann man genau einschätzen, welche Leistung diese mit sich bringen und gewinnt auch in der Höhe an Vertrauen.

Impulsaufbau, Dynamo, Offene Tür - Physik beim Bouldern

Sobald die Kenntnis über und ein Gefühl der eigenen Fähigkeiten groß genug ist, steht einem Ausflug in die Natur zu ausgewählten Boulderspots nichts mehr entgegen. Hier warten ganz neue Abenteuer auf die Bouldergemeinschaft. Felsen verschiedenster Formationen und Gesteine, die frische Luft und der Waldboden unter den Füßen. Verbunden mit einem Urlaub, kommen Körper und Geist zur Ruhe und regenerieren sich vom stressigen und bewegungsarmen Alltag auf wunderbare Weise. Dabei gilt es nur zu beachten, dass man gerade zu Beginn nicht alleine auf die Jagd nach neuen Herausforderungen geht, da gerade dann die Verletzungsgefahr drastisch steigt. „Crashpads“ zum Fallen, etwa um Brüche und Stauchungen zu vermeiden, sowie Partner, die eine/n während des Boulderns „spotten“, also die nötige Hilfestellung im (Ernst-)Fall geben, sind unerlässlich. Um dies zu üben, können sich Boulderer in jeder Halle Tipps geben lassen, um das Verletzungsrisiko zu verringern.

Hier ist es auch möglich, sich von den Erfahrungen der Profis etwas abzuschauen und erst einmal Einsteigerkurse zu belegen. Dies erleichtert das sichere und Erfolgreiche Bouldern von Beginn und ermöglicht dabei noch schnelle Erfolge. Falsch antrainierte Stile sind schwer aus dem körpereigenen Gedächtnis herauszubekommen. Hilfreich können hier auch Tutorials im Internet sein.

Die richtige Wahl des Kletterschuhs ist von großen Vorteil. Dieser sollte eng anliegen um möglichst viel Spannung auf einen kleinen Bereich der Sohle projizieren zu können. Hierfür gibt es einerseits diverse Hinweise im Internet zu finden, anderseits lohnt sich immer der Gang zum Fachgeschäft, kombiniert mit einem Beratungsgespräch. Verschiedene Schuhe und Größen auszuprobieren hilft bei der richtigen Wahl ungemein.

Beim Kauf von Crashpads gibt es je nach Einsatzgebiet und Konstitution der Kletterer einiges zu beachten. Ratgeber können hier sehr hilfreich sein, um sich für das richtige Produkt zu entscheiden und zu einem späteren Zeitpunkt nicht von der Wahl enttäuscht zu sein.

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